An alle Frauen, die für Demokratie und Freiheit kämpfen
Mit Respekt gedenken wir den Mirabal Schwestern, die am 25. November 1960 im Kampf gegen die Trujillo-Diktatur in der Dominikanischen Republik brutal ermordet wurden. In ihren Persönlichkeiten sehen wir Frauen voller Mut und Schönheit, wir sehen Frauen, die sich von der autoritären Denkweise des Mannes befreit haben. Sie leisteten großen Widerstand gegen die zahlreichen brutalen Angriffe und Zerstörung von auf jeglichen Ebenen und eröffneten mit ihrem Kampf einen würdevollen neuen Weg für Frauen. Wir gedenken ihrer mit Respekt und Dankbarkeit. Darüber hinaus grüßen wir euch, alle widerständigen Frauen auf der Welt, die mit ihrem Denken und Handeln tagtäglich Widerstand leisten und gemeinsam gegen Faschismus, Kapitalismus und geschlechtsspezifische Gewalt kämpfen und für die legitime Selbstverteidigung einstehen.
Trotz der Verbote und Einschränkungen durch Maßnahmen, die im Zusammenhang mit Covid-19 getroffen wurden, gingen die Proteste um den 25. November 2020 einher mit anhaltenden und organisierten Protesten von Frauen weltweit. Tatsächlich befinden wir uns in einer Zeit, in der überall auf der Welt die Gewalt gegen Frauen und die politischen Angriffe gegen Frauen zunehmen und systematischer werden. In allen Teilen der Welt leisten Frauen großen Widerstand zur Beendigung dieser Gewalt und den Schutz ihrer Rechte. In den diesjährigen Aktionen um den 25. November lautet die Botschaft: Einheit der Organisierung von Frauen und legitime Selbstverteidigung. Feminizid bedeutet auch die Beseitigung der Gesellschaft, denn ohne Frauen kann eine Gesellschaft nicht bestehen und sich entwickeln. Gegen Frauen wird ein vielseitiger und strategischer Krieg geführt. Frauen auf der ganzen Welt kämpfen auf vielfältigste Weise und mit intellektuellen Aktivitäten, die immer tiefer gehen. Doch bevor wir als Frauen eine Einheit erreichen können – unser erwünschtes Ziel dieses Kampfes – müssen wir zunächst anerkennen, dass Gewalt gegen Frauen global die Ebene des Krieges erreicht hat. Die Aktionen der Frauen am 25. November diesen Jahres werden einmal mehr zeigen, dass wir freie Frauen und ein freies Leben verteidigen werden.
Überall auf der Welt erleben Frauen in der heutigen Zeit der Covid-19-Pandemie in ihren Häusern Gewalt und Ausbeutung ihrer Arbeitskraft. Im Gesundheitswesen sind 70% der Arbeitskräfte Frauen. Arbeitnehmerinnen riskieren ihr Leben unter gesundheitsschädlichen Arbeitsbedingungen, um zu arbeiten. Darüber hinaus sind Frauen in vielen Teilen der Welt immer noch in hohem Maße mit physischer Gewalt konfrontiert und werden meist von Verwandten, die ihnen am nächsten stehen, ermordet. Trotz der Unterzeichnung des Übereinkommens der Istanbul-Konvention zum Schutz der Rechte der Frau und zum Schutz von Frauen vor sexueller Gewalt sind viele Verträge ausgesetzt oder können, wenn bestimmte Klauseln in diesen Verträgen gekündigt werden, nicht in Kraft treten. Dies zeigt uns, dass die staatlichen Kräfte der Welt mit einer gemeinsamen Strategie zum Thema Gewalt gegen Frauen arbeiten. Nur eine Frauenrevolution, die sich gemeinsam durch kollektive Koordinierung und Organisierung entwickelt, kann die Strategie der Staaten herausfordern und besiegen.
Die Feminizide vom 23. Juni 2020 in Helinc, Kobanê, und die Feminizide in Efrînê, die Vorbereitung des 74. Massakers gegen Sinjar (Shengal), das mit Unterstützung der KDP durchgeführt wird, haben gezeigt, dass die faschistische AKP-Regierung, die MHP und Erdogan den kurdischen Frauen, den Widerstandskämpferinnen und Frauen des Mittleren Ostens, die die Frauenrevolution anführen, feindlich gesinnt sind und sich an diesen Frauen rächen, weil sie sich gegen ihre Besatzungspläne stellen.
Als Frauen in Nord- und Ostsyrien sind wir entschlossen, gegen die Angriffen gegen unser Land und unsere Gesellschaft Widerstand zu leisten und diese Angriffe zu verhindern, indem wir eine Frauenrevolution aufbauen und weiter voranbringen. In diesem Jahr haben wir diese Entschlossenheit mit unseren Aktionen und unserem Widerstand unter Beweis gestellt. Trotz der Angriffe des türkischen Staates kämpfen wir fortgehend gegen die vielfältigen Angriffe gegen Frauen. Unsere Region ist nach wie vor ein Kriegsgebiet. In dieser Region wollen viele Kräfte und insbesondere der türkische Staat Frauen durch Zwangsprostitution, Schmuggel, Vergewaltigung und Drogen ausbeuten und ihnen ihre Identität nehmen. Gewalt gegen Frauen, die Verheiratung von Minderjährigen sowie Armut, Notlagen, die sich aufgrund der Wirtschaftskrise abzeichnen, sind alles Herausforderungen, mit denen wir täglich zu kämpfen haben. Darüber hinaus ist der Kampf, den wir im Mittleren Osten entwickeln, ein Kampf, der aus unseren Heimatsorten kommt, in denen wir leben, aber auch ein internationaler Kampf ist und keine Grenzen zieht. Gleichzeitig leisten wir alle gemeinsam Widerstand gegen das hegemoniale und patriarchale System. Innerhalb dieses Widerstands ist die größte Inspiration, die wir im Hinblick auf unser Denken und Handeln haben, die kraftvolle weltweite Frauenfreiheitsbewegung. Die Ausweitung des Frauenbefreiungskampfes und insbesondere die Vertiefung der Perspektive einer gemeinsamen Organisierung und Selbstverteidigung verstärken unsere Erwartungen und unser Beharren auf diesen Kampf. Wie alle Frauen weltweit schätzen wir unsere führende Rolle im Kampf für Freiheit, Demokratie und Frieden.
Auf Grundlage dieser Prinzipien und um das Verständnis für die Freiheit der Frauen weiter voran zu bringen, geben wir Bildung über die Grundlagen der Bedeutung von Freiheit und erreichen große Veränderungen, zu denen die Demokratisierung der Haushalte und Familiendynamik gehört. Im Jahr 2021 werden wir an all den Orten, an denen wir uns befinden, diese Bildungen in noch größerem Umfang fortsetzen. Die Aufklärung der gesamten Gesellschaft und die Beendigung der Gewalt gegen Frauen in unseren eigenen Ländern sind unser Hauptziel im nächsten Jahr und unsere oberste Priorität. In dem Wissen, dass jede Gewalt gegen Frauen sowohl politisch als auch ideologisch ein Fundament für Sexismus und Geschlechterdiskriminierung ist, werden wir beharrlich danach streben, unser Ziel für das Jahr 2021 zu erreichen. Als Frauen aus Nord- und Ostsyrien werden wir unsere Revolution mit großer Ausdauer, Entschlossenheit und Liebe, die Hoffnung für alle Frauen in der Welt ist, weiter entwicklen und vorantreiben.
Mit Würde und Dankbarkeit gedenken wir all jenen Frauen auf der Welt, die ihr Herz und ihre Seele gegeben haben, um diese Revolution zu verwirklichen. Wir rufen alle weiteren Frauen, die in jedem Augenblick und jeglichen Lebensbereichen für Freiheit kämpfen, auf, das 74. Massaker in Sinjar (Shengal) zu verurteilen und zu verhindern und den widerständigen Frauen aus Sinjar (Shengal) ihre Kraft und Solidarität zu senden.
Kongra Star Koordination
25.11.2020

