Nûdem für die Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung

Organisation Nûdem

Wir haben Cihan Reşîd eine Aktivistin und Sprecherin der Organisation ‘Nûdem – Betreuung und Förderung von Menschen mit Behinderungen’ interviewt. Nûdem ist eine Organisation, welche sich für die Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung einsetzt. Die Aktivistin hat selbst eine Behinderung und kämpft seit Jahren für ein besseres Leben für Menschen mit Behinderungen.

1. Kannst du kurz eure Organisation vorstellen? Was sind die Ziele der Organisation?

Wir sind eine Gruppe von Freiwilligen, die sich seit über drei Jahren für die Rechte und die Gleichstellung von Behinderten einsetzt. Und so haben wir uns dieses Jahr entschlossen, die Organisation Nudem zu gründen, um unsere Arbeit zu verstärken und die betroffenen Menschen durch unsere Arbeit effektiver unterstützen zu können. Der Vorstand von Nudem besteht aus 7 Personen und ich bin die Sprecherin. Im Vorstand nehmen 2 Menschen mit Behinderungen ihren Platz ein. Jedes Mitglied ist für verschiedene Ausschüsse zuständig. Wir streben an, behinderte Menschen in die Gesellschaft zu integrieren. Wir wollen in der Gesellschaft ein Bewusstsein dafür schaffen, dass es behinderte Menschen gibt. Das sie vollwertige Mitglieder der Gesellschaft sind und dass die Gesellschaft auch die Verantwortung hat, sie zu unterstützen. Um die Gesellschaft aufzuklären, bieten wir verschiedene Arten von Bildung an. Zum einen für Menschen mit Behinderungen, für ihre Familien und für Menschen, die mit behinderten Menschen arbeiten. Durch regelmäßige Hausbesuche versuchen wir festzustellen, was Menschen mit Behinderungen in ihrem täglichen Leben brauchen und unterstützen sie dort, wo es nötig ist. So kommen wir auch in einen nahen Austauscht mit den Familien, wir haben einige Projekte, die materielle Unterstützung bieten, z. B. Hörgeräte, Geh Hilfen und ähnliches, und wir versuchen, Menschen durch Schulungen in die Lage zu versetzen, unabhängig zu arbeiten. Und wir bemühen uns sehr um die Koordinierung zwischen den regionalen und internationalen Organisationen und Institutionen, die in der Region für Behinderte arbeiten.

2. Wo finden eure Arbeiten statt?

Tätig sind wir in ganz Nord- und Ostsyrien. Und unser Zentrum befindet sich in Qamishlo, aber wir arbeiten daran, Zentren an verschiedenen Orten einzurichten. Und suchen derzeit nach einem neuen Standort, da der jetzige eine improvisierte Lösung ist.

3. Welche Probleme gibt es im Moment? Und was sind eure Ansätze diese zu lösen?

Da wir eine unabhängige Organisation sind und keine Unterstützung von außen erhalten, sind die Probleme, mit denen wir konfrontiert sind, meist finanzieller Art. Die Menschen, die wir besuchen und die uns um Hilfe bitten, brauchen oft auch materielle und finanzielle Unterstützung. Da unsere finanziellen Mittel jedoch sehr begrenzt sind, können wir oft nicht helfen. Wir haben hilfsbereite Menschen, die sich bei uns ehrenamtlich engagieren, und wir haben im Laufe der Jahre mit vielen Familien und Menschen mit Behinderungen gearbeitet und ihre Bedürfnisse und Wünsche dokumentiert. Auch haben wir viele Ideen und Projekte entwickelt, aber ohne finanzielle Mittel ist es sehr schwierig, sie umzusetzen. Die Aufklärung und Betreuung der Familien auf emotionaler Ebene ist ein sehr wichtiger Schritt, aber wenn es dann an materieller Hilfe für die alltäglichen Mittel zur Behebung der Beeinträchtigung für ein barrierefreies Leben fehlt, schwindet auch das Vertrauen der Familien in die Organisation. Daher wenden wir uns an die Institutionen der autonomen Verwaltung von Nord- und Ostsyrien und an verschiedene Organisationen, die sich mit demselben Thema befassen, und bitten um Unterstützung. So erhalten wir oft materielle und logistische Unterstützung oder nutzen ihre Räumlichkeiten, um Schulungen zu organisieren, aber das ist selbstverständlich nicht genug.

4. Wie ist die Annäherung der Gesellschaft und der Familien gegenüber Menschen mit Behinderungen? Gibt es Diskriminierung?

Wie ich bereits sagte, besteht ein wichtiger Teil unserer Arbeit darin, die Gesellschaft aufzuklären und ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Menschen mit Behinderungen gleichwertige Mitglieder der Gesellschaft sind und die gleichen Chancen verdienen. Aber leider stellen wir bei unseren Besuchen in den Familien noch zu oft fest, dass diese Bewusstseinsbildung eine schwierige und langwierige Arbeit ist. Es gibt Familien, die davon überzeugt sind, dass ihr Kind nicht fähig ist, zu arbeiten, und dass es ohnehin nirgendwo eine Anstellung finden wird, und die es nicht versuchen lassen, sodass es im Haus bleibt und von der Gesellschaft ferngehalten wird. Andererseits haben die Familien oft Angst, ihre Kinder, ob jung oder alt, aus dem Haus zu lassen, weil sie befürchten, dass sie von der Gesellschaft ausgelacht oder geschädigt werden. Leider gibt es immer noch Menschen, die Menschen mit Behinderungen nicht akzeptieren und sie aus der Gesellschaft ausschließen. Die meisten Menschen, mit denen wir sprechen, wissen nicht, wie sie Unterstützung für ihre behinderten Kinder oder Familienmitglieder bekommen können, und weil sie nicht wissen, wie sie sie unterstützen können, wird das oft vernachlässigt. Deshalb ist es für uns wichtig, verschiedene Zentren bekannt zu machen, in denen die Familien Unterstützung bei der Behandlung ihrer Kinder erhalten können. Da die Familien oft in vielen Punkten zu wenig Wissen haben, führt dies zu weiteren Einschränkungen. Wir hören viele Geschichten, die das Problem in der Gesellschaft sehr deutlich machen. Eine Geschichte ist die eines 14-jährigen Mädchens, die wir bei einem unserer Hausbesuche und in Gesprächen mit der Familie erfahren haben. Das Mädchen hat eine körperliche Behinderung und kann einen Arm und ein Bein nur mit Mühe bewegen. Ihre Mutter erzählte uns, dass sie ihre Tochter nur 3 Monate lang zur Schule schickte, weil sie Schwierigkeiten hatte, jeden Tag zur Schule zu gehen. Es war nicht unmöglich, nur schwierig. Bei solchen Problemen ist es wichtig zu verstehen zu geben, dass die Schwierigkeiten, die sie beim Schulbesuch hat, Erleichterungen in vielen anderen Bereichen ihrer Zukunft bedeuten. Jetzt kann ihr Kind weder lesen noch schreiben, weil die Familie selbst nicht die Möglichkeit hatte, es zu Hause zu unterrichten. Ein solcher Ansatz führt dazu, dass Menschen mit Behinderungen noch mehr Hürden für ein unabhängiges Leben haben. Das wollen wir ändern!

5. Kannst du ein paar Ideen/Projekte nennen, welche für die Zukunft geplant sind oder in nächster Zeit anstehen?

Unsere tägliche Arbeit hat uns gezeigt, dass es noch viele Bereiche gibt, an denen wir arbeiten müssen. Wir haben einige Projekte vorbereitet, die wir in naher Zukunft verwirklichen wollen, denn es besteht ein dringender Bedarf. Wir würden gerne ein Zentrum für Physiotherapie einrichten, da viele, die darauf angewiesen sind, es sich nicht leisten können, da Physiotherapien in der Regel zu teuer für sie sind. Wir wollen, dass ein solches Zentrum Behandlungen anbietet. Wir arbeiten daran ein Zentrum für psychologische Beratung für Menschen mit Behinderungen und Menschen, die mit behinderten Menschen leben, gründen. Es bringt oft eine psychische Belastung für die Menschen mit Behinderungen und für die Familienangehörigen, denn es gibt auch eine Diskriminierung durch die Gesellschaft und einige haben Mitleid mit Menschen mit Behinderungen und dadurch wird die Psyche belastet. Auch werden wir ein Bildungszentrum für Kinder mit Down-Syndrom und Autismus einrichten, denn Kinder mit Down-Syndrom und Autismus werden oft in Regelschulen nicht aufgenommen. Wir haben auch Ausbildungen in verschiedenen Bereichen wie z.B. Informatik, Friseur, Nähen und mehr auf unserem Programm, damit sie in Zukunft einer selbständigen Arbeit nachgehen und ihren eigenen Lebensunterhalt verdienen können. Die Familien von Menschen mit Behinderungen haben um Gesundheitserziehung in den Gemeinden gebeten, damit sie ihre Kinder bei Bedarf von zu Hause aus behandeln können, zum Beispiel, dass sie dem Kind zu Hause eine Spritze geben können und nicht jedes Mal zum Arzt gehen müssen, denn das ist sehr teuer, wenn die Kinder das jeden Tag brauchen.

Sie sind nicht nur Aktivistin für behinderte Menschen, sondern wurden selbst mit einer Behinderung geboren. Können Sie Ihre Situation beschreiben und arbeiten viele Menschen mit Behinderungen mit Ihnen zusammen?

Ja, das stimmt, ich selbst habe viele Schwierigkeiten durchgemacht. Nach mehreren Operationen geht es mir jetzt ein bisschen besser. Außer mir gibt es noch andere Menschen mit Behinderungen, die bei der Organisation Nudem arbeiten. Einem Freund, der im Vorstand der Organisation arbeitet, fehlt ein Arm und einer anderen Freundin, die als Freiwillige arbeitet, hat Probleme mit ihren Beinen. In unserem Chater wurde beschlossen, dass Menschen mit Behinderungen bei der Übernahme von Führungsaufgaben und bei der Beschäftigung in unserer Organisation Vorrang haben.

Kontakt:

Facebook: nudem2021

whatsapp: +963939308949

mail: [email protected]

www.ngoplatform.org/NUDEM

Nudem Webseit is comming soon!!!

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