Zur aktuellen Lage in Syrien – Gedanken der Women Defend Rojava Delegation

Als wir nach Rojava einreisten, schien die Sonne und wir hatten es nach einer langen Anreise endlich geschafft. Wir trafen in den darauf folgenden Tagen viele sehr inspirierende Frauen, die uns von ihrer revolutionären Arbeit erzählten. Sie gaben uns dazu Çay und Süßigkeiten und ihr vollstes Vertrauen.


Früh morgens fuhren wir nach Raqqa um dort ein paar Tage zu bleiben. Die Stadt war bis vor sieben Jahren noch das Zentrum von Daesh (ISIS), weshalb der Besuch für uns alle von unterschiedlichen Emotionen geprägt war. Die Zerstörung und die Folgen der Gewalt sind weiterhin im Stadtbild sichtbar und die Erinnerung der Freundinnen sind voller Schmerz über die erlebten Grausamkeiten. Während unseres Aufenthalts in dieser befreiten Stadt rückten die Hayat Tahrir al-Sham, ein Ableger der Al-Nusra, Richtung Aleppo vor.

Einige Tage später besuchten wir die Rojava Universität um dort gemeinsam mit Freundinnen der Jineoloji-Fakultät an einer außerordentlichen Sitzung teilzunehmen. Die Sonne schien auf den Campus und die Studierenden grüßten uns im vorbeilaufen. Als wir den dunklen Hörsaal betraten sahen wir die ersten verweinten Gesichter. In der Şehba-Region, die aktuell von der Hayat Tahrir al-Sham (HTS) und der von der Türkei aufgebaueten syrischen Nationalarmee (SNA) angegriffen wird, leben zehntausende Binnenvertriebene, die aus dem von der Türkei besetzten Afrin fliehen mussten. Viele junge Menschen kamen nach Qamislo, um hier an der Rojava Universität zu studieren und verließen ihre Familien in Şehba. Die Angst die sie nun um ihre Familien haben ist eine bekannte. Sie wissen was Fundamentalisten und der türkische Staat mit ihnen und ihren Familien und allen Kurd*innen macht, da sie es bereits erlebt haben.

„The conflicts here are also the result of globalized imperialism and colonalism and therefore we can only organize against them internationally. As feminists, we want to express our solidarity with the people in Rojava and Syria, with the self-defense forces, the courageous women who have been defending themselves for centuries and have been fighting for a better tomorrow for all of us. We will continue this struggle everywhere and forever.“ Mit diesen Worten versuchten wir den Studentinnen unsere Solidität zum Ausdruck zu bringen. Doch die Angst um ihre Familien kann ihnen nicht genommen werden. Im Anschluss an die Veranstaltung fuhren wir gemeinsam mit den Studentinnen zu einer Demonstration, die die aktuellen Angriffe anprangerte. Viele Menschen kamen zusammen um die Angst um ihre Familien und die Trauer über einen weiteren schmerzhaften Angriff in Wut und Hoffnung umzuwandeln.

Das alltägliche Leben hier geht weiter. Die Kinder spielen Fußball auf den Straßen und die Frauen treffen sich auf den Dörfern um sich gemeinsam über patriarchale Gewalt zu bilden. Denn den Krieg kennen sie, da sich die Region seit Jahrzehnten dauerhaft in einem Kriegszustand befindet. In den kleinen Momenten spüren wir die Anspannung über die Situation. Verstärkte Sicherheitskontrollen, müde Gesichter und Stille wo vorher Lachen war. Denn das was im Moment passiert, kann alles verändern. Die demokratische Selbstverwaltung appelliert an die internationale Gemeinschaft: „ Stoppt diese Aggression! Andernfalls wird sich eine neue Form des islamistischen Terrorismus etablieren, die zu großen humanitären Katastrophen führen, eine Bedrohung für Syrien darstellen und schwerwiegende regionale und globale Folgen haben wird.“

Wir haben auf unserer Delegation eine unbeschreibliche Stärke gesehen, die die Menschen der autonomen Selbstverwaltung haben, um sich gemeinsam gegen islamistische Kräfte, Faschismus und Krieg zu verteidigen. Dieser starke Wille und die beeindruckende Ausdauer der Menschen die wir hier treffen konnten, hat dazu beigetragen Raqqa von Daesh zu befreien, die Stadt, in die nun die ersten evakuierten Menschen aus Şehba gebracht werden.

Dies zeigt uns erneut, dass es die demokratische Selbstverwaltung Nord- und Ostsyriens als revolutionäres Projekt zu verteidigen gilt. Für eine befreite Gesellschaft!


Hoch die internationale Solidarität – Jin Jiyan Azadi

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