Liebe Freund:innen,
wir melden uns aus Rojava, wo das Leben verteidigt wird.
Das Herzstück dieses Widerstands und dieser Verteidigung bleibt Kobane, sowohl symbolisch als auch physisch. In der Stadt, die weiterhin belagert wird, fehlt 400.000 Menschen der Zugang zu Strom, Wasser, Nahrungsmitteln und vor allem medizinischer Versorgung. Die Lage verschlimmert sich stündlich und ist weit mehr als eine humanitäre Katastrophe. Gleichzeitig bleibt der Widerstand entschlossen. Der Rat des Firat-Kantons, zu dem Kobane gehört, hat heute erklärt: „Die Stadt, die den IS im Namen der Menschheit besiegt hat, wird heute vor den Augen der Welt erneut belagert und angegriffen. Diese Angriffe unterscheiden sich in ihrer Brutalität nicht von denen des IS im Jahr 2014.“
Weiter bewerten sie die Angriffe, auf die politische und gesellschaftliche Struktur von NES zielend, die auf den Werten der Selbstverwaltung, der Gleichstellung der Geschlechter und der Demokratie beruht, und erklären: „Unsere Revolution wird weitergehen, bis wir ein freies und würdevolles Leben erreicht haben.“
Mit diesen Aussagen machen sie erneut deutlich, dass es in diesem Krieg nicht um Ressourcen geht und er sich nicht allein auf NES beschränkt, sondern die gesamte Menschheit betrifft, da es um das Verständnis von Leben geht und die Verteidigung dessen. Als Frauen, die für Freiheit kämpfen, als Menschen, die für Veränderung kämpfen, sollten wir uns stets daran erinnern: Die Frage, die wir stellen müssen, lautet Wie leben? Und die Antwort auf diese Frage sind unsere Handlungen der Verteidigung in diesem Moment.
Die Waffenruhe wurde gestern verlängert. Trotzdem versuchten die Kräfte der Syrischen Übergangsrehieung, des türkischen Staates und der dihadistischen Gruppen heute Morgen, um Kobane vorzurücken, was von der SDF verhindert wurde. Später am Tag veröffentlichte die SDF ein Update: „Bei anhaltendem Artilleriebeschuss durch Fraktionen aus Damaskus auf das Dorf Al-Qasimiya westlich von Kobani wurde ein Kind getötet und drei weitere verletzt. Dies stellt einen klaren Verstoß gegen das Abkommen zur Verlängerung der Waffenruhe dar.“
Die Selbstverwaltung bezeichnete die Waffenruhe als Vorwand, der die Drohung von Krieg, gegen Rojava, keinesfalls mindert, und bekundete gleichzeitig ihre anhaltende Dialogbereitschaft. Die Erklärung der Autonomen Selbstverwaltung lautet: „Die Einheit des Volkes und der Widerstandsgeist sind das Fundament unserer Standhaftigkeit.“ Und dies zeigt sich deutlich in den Straßen der Städte und Dörfer Rojavas, wo die Gesellschaft weiterhin ihre Selbstverteidigung organisiert.
Die Lage der Geflüchteten ist nicht nur in Kobane katastrophal. In den Städten des Kantons Jazire wurden Schulen, Institutionen usw. für die Tausenden von Familien geräumt und viele Familien haben Angehörige aufgenommen. Die breite Gesellschaft beteiligt sich an der Versorgung, doch es gibt große Versorgungsschwierigkeiten, insbesondere bei der Stromversorgung. Dies verschärft die ohnehin schon bestehenden Probleme, die Häuser in diesen kalten Zeiten warm zu halten.
Ich möchte auch etwas zur Situation in Rojhilat/Iran sagen, die untrennbar von dem Krieg in Rojava ist. Die Zahl der Ermordeten im Iran steigt stetig, während die Proteste nicht nachlassen. Aktuell finden Massaker vor allem in kurdischen Gebieten statt, was die Notwendigkeit eines gemeinsamen Kampfes über die Staatsgrenzen hinweg unterstreicht. Auch im Iran werden insbesondere Frauen und ihr Ruf nach Freiheit angegriffen.
Auch in der Türkei dauern die Proteste an und werden mit Hunderten von Verhaftungen beantwortet, denen Terrorismus vorgeworfen wird. Dies wirft die alte Frage auf: Wer sind hier die Terroristen?
Der Kampf geht weiter. Lasst uns unsere Revolution verteidigen! Jin jiyan azadi!
Liebe Grüße aus Rojava!

