Nachricht aus Rojava – 27.01.2026

Liebe Freund:innen und Genoss:innen,

wir melden uns zurück mit unserem täglichen Update aus Rojava. Hier geht der, von der Türkei unterstützte, Angriffskrieg der syrischen Übergangsregierung weiter. Heute kam es in der kleinen Stadt Çil Axa, zwischen Qamishlo und der irakischen Grenze, zu Gefechten und schweren Drohnenangriffen. Die SDF konnten die Angriffe abwehren.

Zudem versuchten Milizen, wie schon in den letzten Tagen, in der ländlichen Region um Kobane vorzurücken. Auch dort wurden sie erfolgreich zurückgedrängt. Die Lage in Kobane bleibt katastrophal. Aldar Xelîl von der PYD-Partei, einer demokratischen Partei in Nord- und Ost-Syrien, sagte in einem Interview mit der Nachrichtenagentur ANF:

„Die Versorgung einer ganzen Stadt mit allen lebensnotwendigen Gütern zu unterbrechen, ist ein Versuch, diese Menschen auszulöschen. Das ist ein versuchter Völkermord.“

Trotz der Waffenruhe gehen die Angriffe also unvermindert weiter. Es erscheint fast absurd, von dieser Waffenruhe zu sprechen. Gestern wurde ein Video veröffentlicht, das den Bildschirm eines Kommandozentrums mit GPS-Daten und türkischen Befehlen zeigte. Ein weiterer Beweis dafür, dass die Angriffe nicht nur von der Türkei unterstützt, sondern auch in Auftrag gegeben werden. Ich möchte nochmals betonen, dass uns Asayish-Kämpfer:innen, die bei den Angriffen in Aleppo verwundet wurden, berichteten, sie hätten Soldaten mit dem IS-Emblem auf der Brust und der türkischen Flagge am Arm gesehen. Viele von ihnen hätten Türkisch gesprochen. Aldar Xelîl äußerte sich ebenfalls zum Waffenstillstand. Er analysiert, dass die USA mit dem Transfer von IS-Gefangenen – der als Grund für den aktuellen Waffenstillstand gilt – das Ziel verfolgen, Unruhen im Irak zu säen. Er sagt:

„Sollte es im Irak zu einer solchen Situation kommen, würde dies bedeuten, dass eine der Fronten, die der Iran zu seiner Selbstverteidigung eingerichtet hat, angegriffen würde. […] Das Problem beschränkt sich nicht auf Rojava; es handelt sich um einen Plan, der sich gegen die gesamte Region richtet.“

Damit bezieht er sich auf das „Große Nahost-Projekt“ („Greater Middle East Project“/GMEP), das mit dem Irakkrieg unter US-Führung begann. Ziel ist es, den Nahen Osten neu zu gestalten, ihn dem kapitalistischen Markt zugänglich zu machen und vor allem den gesamten Nahen Osten unter US-Kontrolle zu bringen. Die Interessen der USA sind klar, und ihre Beziehungen zur syrischen Übergangsregierung sowie ihre Unterstützung für den Angriffskrieges gegen Rojava müssen im Kontext dieses globalen Wirtschaftsplans (GMEP) verstanden werden. Hier zeigt sich, dass die dschihadistische IS-Mentalität nicht im Widerspruch zu den Interessen der USA steht, da beide faschistische und sexistische Akteure sind. Der Widerstand in Rojava ist weiterhin entschlossen, die Errungenschaften der Revolution zu verteidigen. Die Moral der Menschen, die Nachts auf den Straßen Wache halten, ist ungebrochen.

Heute besuchten wir die Verletzten im Krankenhaus, Opfer der Drohnenangriffe der letzten Tage. Auch hier war die Moral hoch. Mich berührt immer wieder, wie Schmerz und widerständige Schönheit sich nicht widersprechen, sondern im Gegenteil enorme Stärke erzeugen. Auch im Rest der Welt geht der Widerstand weiter. Junge Menschen aus Ost- und Südkurdistan, die nach Rojava gekommen sind, um sich der Verteidigung anzuschließen, haben folgende Erklärung abgegeben:

„Als junge Menschen aus Rojhilat und Başûr sind wir nach Rojava gekommen, um unser Land zu verteidigen. Für uns gibt es keine Grenzen – wo immer das kurdische Volk Schutz braucht, sind wir bereit zu kämpfen.“

Und auch der Peoples Caravan kennt keine Grenzen … Das wisst ihr besser als wir. Wir senden allen, die gerade kämpfen, viel Kraft.

Revolutionäre Grüße aus Rojava.

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