Nachricht aus Rojava – 07.02.2026

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Liebe Freundinnen,

wir melden uns aus Rojava, aus dem Herzen der Frauenrevolution wo in diesem Moment die Menschlichkeit verteidigt wird.

Die Lage ist hier ist weiterhin sehr ernst.

Für die Implementierung des Abkommen zum Waffenstillstand und zur Integration, welches am 30. Januar zwischen den Strukturen der Autonomen Selbstverwaltung und der Syrischen Übergangsregierung abgeschlossen wurde, finden weiterhin Gespräche statt.

Doch weiterhin fehlen konkrete Schritte die Belagerung Kobanes zu lockern.

Während die Gespräche also weitergehen, geht auch die Organisierung der Selbstverteidigung weiter. Die Bevölkerung Rojava’s ist fest entschlossen ihre Errungenschaften und ihr Leben zu verteidigen.

In Kobane sind seit mittlerweile 3 Wochen 600.000 Menschen unter Versorgungsengpässen bei Strom, Wasser, Lebensmitteln und medizinischer Hilfe. Die humanitäre Lage ist katastrophal.

In den letzten Tagen haben Gespräche der Selbstverwaltung von Kobane und der staatlichen Verwaltung der Region Aleppo, in der sich auch Kobane befindet, stattgefunden.

In einem Statement versicherte die Autonome Verwaltung von Kobani ihre uneingeschränkte Bereitschaft zur Umsetzung des Abkommens und forderte die Regierung auf, ihren Teil beizutragen und die notwendigen Schritte einzuleiten.

Die Syrische Übergangsregierung hat ihre Truppen nicht abgezogen. Die Belagerung dauert an. Sie bedroht Menschenleben und gefährdet den Waffenstillstand, sollte die Übergangsregierung ihren Teil des Abkommens nicht einhalten.

Ausserdem beharrt die Syrische Übergangsregierung weiterhin darauf, Kobani „Ayn al-Arab“ zu nennen. Ayn al-Arab ist der arabische Name und bedeutet „Ursprung der Araber“, was im Widerspruch dazu steht, dass es sich um eine Stadt mit kurdischer Bevölkerungsmehrheit handelt. Die Bezeichnung „Ayn al-Arab“ widerspricht den Tatsachen.

Während also die Belagerung trotz des Waffenstillstandsabkommen weiterhin fortgeführt wird, ist am Grenzübergang zur türkischen Stadt Suruç seit 9 Tagen starke Aktivität des Militärs zu beobachten.

Panzer werden zusammengerückt, mit Baggern Gräben ausgehoben und militärische Stellungen errichtet. Auch gestern wurde weiter gebuddelt. Es sieht ganz danach aus, als würden sie sich auf einen Krieg vorbereiten.

Wir möchten in der heutigen Nachricht ein bisschen Hintergrund geben und etwas zu diesen Grenzen sagen.

Die Türkisch – Syrische Grenze, zieht sich in Form einer von Stacheldraht überzogenen grauen Mauer durch das Land. Auf der türkischen Seite ist sie stark militarisiert mit Wachtürmen, Minen und Wärmebildkameras.

Sie ist beinahe ein absurder Anblick, denn ihr ist beim ersten Blick anzusehen, dass sie wahnsinnig fehl am Platz ist.

Ihr ist schmerzlich anzusehen, dass sie trennt was einst eins wahr. In Kobane und Suruc, sowie in Qamislo und Nusaybin trennt sie Städte und Nachbarschaften. Nicht wenige Familien wurden durch ihren Bau voneinander getrennt.

Die Mauer wurde 2015 gebaut, doch der Lauf dieser Grenze hat seinen Ursprung 1923 im Vertrag von Lausanne, als nach dem Zerfall des Osmanischen Reiches die europäischen Großmächte die Ländereien für sich aufteilten. Ihr Lauf wurde der Eisenbahnlinie angepasst, die die ausgebeuteten Ressourcen aus dem MO nach Europa brachte. Also von wirtschaftlichen Interessen bestimmt und nicht nach der Realität der Gesellschaft.

Diese Grenze zeigt deutlich die lange Geschichte von Grenzen, die von weißen Männern mit Linearen durch die Berge und Ebenen des Mittleren Ostens gezogen und durch Kriege und Völkermorde durchgesetzt wurden.

Und was heute passiert zeigt deutlich, dass diese Geschichte nichts mit der Vergangenheit zu tun hat, sondern ganz aktuell ist.

Weiterhin ist es das Interesse der Hegemonialen Kräften, angeführt von den wirtschaftlichen Interessen von USA und Nato, das Potential für Widerstand und Erneuerung des Systems, welches im MO durch die kulturelle Vielfalt und gesellschaftlichen Werte bestehen, zu zerstören.

Das hat Präsident Georg Bush 2004 auf einer G8 Versammlung klar formuliert, als er das „Great Middle East“ Projekt vorstellte, welches die Militärische Aktivitäten der USA und ihren Verbündeten sowie vorher in den Kriegen in Afghanistan und Irak, sowie heute, vom Iran bis nach Nord-/Ost Syrien leitete.

Es geht darum, den MO gänzlich in den kapitalistischen Markt einzugliedern.

Das war nun ein kleiner Exkurs in dieser Nachricht. Wir hoffen euer Interesse dadurch zu erwecken, euer Verständnis über die Lage des Mittleren Osten im Kern des 3. Weltkrieges zu vertiefen.

Was die Rojava Revolution verteidigt ist eine Alternative, die nicht auf trennenden Staatsgrenzen beruht. Es ist ein gesellschaftliches System in dem keine Grenzen existieren und die kulturelle Vielfalt zu Kreativität führen kann, anstatt sich gegenseitig zu negieren und zu bekämpfen.

Es sind alle Stimmen gehört, jede religiöse, kulturelle und ethnische Minderheit ist organisiert und Teil der politischen Entwicklungen. Natürlich ist es nicht perfekt und Fehler passieren, aber das ist das Ziel der laufenden Revolution.

Fast überall sehen wir den Wunsch von Staaten und rechter Politik nach Homogenisierung. Sie versuchen, alle zu vernichten, die als andersartig gelten. Sie wollen uns dazu bringen, andere als Bedrohung für uns selbst zu sehen. Unsere Kämpfe dagegen, überall auf der Welt, sind eng miteinander verbunden; wir teilen gemeinsame Feinde und den Wunsch nach einer Zukunft, nach Freiheit für alle. Deshalb sagen wir, die Frauenrevolution ist für alle Frauen und alle, die sich ein freies Leben wünschen. Unsere Kämpfe, unser Schmerz, unsere Revolutionen, unser Freiheitskampf sind miteinander verwoben, wenn wir den Mut haben, dies zu erkennen.

In den letzten Jahren ist immer deutlicher geworden, wie insbesondere Frauen eine Vorreiterrolle bei der Überwindung kultureller und ethnischer Spaltungen einnehmen. Durch ihren gemeinsamen Kampf für die Befreiung als Frauen finden sie Einheit, erkennen, dass sie gegen dieselben patriarchalen Hindernisse ankämpfen, und ermutigen so den Rest der Gesellschaft, durch wahrhaft demokratische Prozesse Lösungen zu finden.

Gestern fand in Haseke ein Treffen zwischen dem neuen Gouverneur Nûredîn Îsa, dessen Position einer der Kernpunkte des neuen Abkommens war, und lokalen Behörden statt. Delegierte arabischer Stammesstrukturen, Glaubensrichtungen und Strukturen der Selbstverwaltung kamen zusammen. Dies zeigt, wie die kulturelle Vielfalt Rojavas trotz massiver Angriffe, die darauf abzielen, Spaltungen zu vertiefen, Widerstand leistet.

Die Syrische Übergangsregierung bedroht nicht nur die kurdische Bevölkerung, sondern alle ethnischen und religiösen Minderheiten in Syrien. Letzte Nacht wurde ein junger Mann in Swuiada bei einem Raketenangriff der Übergangsregierung auf sein Dorf getötet.

In der belagerten Stadt Kobane haben heute hunderte Frauen demonstriert und ihren starken widerständigen Willen gezeigt Revolution und Existenz auch weiterhin zu verteidigen.

Xenaf Xelîl von Kongra Star erinnert in ihrer Rede an die Demonstrierenden an den Widerstand der Frauen gegen den sog. IS in Kobane vor 11 Jahren und sagte:

„Die Frauen haben Besatzer und Verschwörer zurückgeschlagen. Sie haben der Welt gezeigt, dass Frauen die Kraft haben, Veränderung zu schaffen.“

Mit diesen Worten beende ich die heutige Nachricht.

Widerständige Grüße aus Rojava

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