Nachricht aus Rojava – 14.02.2026

Liebe Freund:innen,
wir grüßen euch am Samstag, den 14. Februar, aus Rojava.

Transfer und Entlassung von IS-Mitgliedern

Gestern gab das US-Militär bekannt, dass der Transfer von über 5.700 IS-Mitgliedern aus Gefängnissen hier im Nord-Osten Syriens in irakisches Gewahrsam abgeschlossen ist. Der Transfer dieser als besonders gefährlich angesehenen Islamisten, war der Grund für das 15-tägige Waffenstillstandsabkommen, dass vor drei Wochen vereinbart wurde.

Aus dem Al-Hol Camp kam vor wenigen Tagen die Nachricht, dass von den ausländischen Familien, die meisten das Camp verlassen haben. Nur 20 sollen noch übrig sein. Ende letzten Jahres waren noch über 6.300 Menschen in dem „foreign fighter“-Bereich des Camps gewesen. Insgesamt beherbergte das Camp Ende letzten Jahres über 25.000 Menschen.

Das Al-Hol Camp ist kein Gefängnis, aber ein geschlossenes Camp, in dem die Familien von gefangenen IS-Mitgliedern lebten. Auch wenn ihnen keine direkten Straftaten vorgeworfen werden konnten, spielten die Frauen eine zentrale Rolle darin die Ideologie des IS weiterzugeben und taten dies auch in den letzten Jahren immer weiter. Die Kinder und Frauen, die nun wieder zu Tausenden das Camp verlassen haben, sind höchst radikalisiert und stellen ein großes Sicherheitsrisio dar.

Die ganze Verstrickung dieser Tatsachen ist absurd, wenn man sie sich einmal vor Augen führt: erst fördert die USA den politischen Islam als Gegenspieler zu sozialistischen Bewegungen im Mittleren Osten, dann bekämpft sie den IS und setzt als nächstes die islamistische HTS als neue Regierung in Syrien ein. Dann lässt sie diese Regierung in die internationale Anti-IS-Koalition eintreten und lässt sie IS-Gefängnisse von der SDF übernehmen, aus denen dann – ganz unerwartet – hunderte IS-Mitglieder entlassen werden. Nur die wichtigsten Köpfe werden in den Irak gebracht, weil man das Risiko, die unkontrollierbar auf freiem Fuß zu haben, dann doch nicht eingehen will.

Statement der UN

Ein Sprecher des UN Sicherheitsrates hat sich heute offiziell für das Waffenstillstandsabkommen und die Rechte der kurdischen Bevölkerung in Syrien ausgesprochen. Besonders betonten wurde, dass die volle politische Teilnahme von Frauen auch zukünftig in Syrien garantiert sein muss. Eine Teilnehmerin des Treffens sagte: “Ohne Syrische Frauen, wird die Transition nicht legitim sein.” Auch ein Erfolg dabei ist, dass offiziell über die Region Nord- und Ost-Syriens gesprochen wurde. Ein weiterer kleiner Schritt in die Richtung einer internationalen Anerkennung.

Frauen aller Kulturen kämpfen zusammen in Rojava

Das Pressezentrum der YPJ hat heute ein Video veröffentlicht in dem kurdische und arabische Kämpferinnen über ihre gemeinsame Verteidigung Rojavas sprechen. Sie sagen: „Was auch immer passiert, wir kämpfen Seite an Seite mit arabischen, kurdischen, armenischen und suryoye Frauen für die Verteidigung unserer Heimat.“

Wir müssen auf alles vorbereitet sein

Die Situation hier bleibt angespannt. Kobane ist nach wie vor belagert und es fehlt an dringenden Medikamenten. Die Zukunft bleibt schwer vorhersagbar.

In einem Interview der Frauen-Medienagentur JINHA sagte Fawza Youssef von der PYD (Partei der Demokratischen Union) zur aktuellen Situation: „Kurd:innen und Frauen müssen auf alle Eventualitäten vorbereit sein, um nicht unvorbereitet überrascht zu werden. Ein neuer Weg, basierend auf Einheit, liegt vor uns. Viel wurde bereits erreicht, und vieles bleibt noch zu tun. Der Kampf muss unermüdlich fortgesetzt werden.“

Der 15. Februar

Morgen ist der 15. Februar, der Tag an dem Abdullah Öcalan 1999 vom Türkischen Geheimdienst mit Unterstützung durch die CIA und den Mossad aus Kenya verschleppt wurde. Im Kurdischen wird dieser Tag auch roja reş, der schwarze Tag genannt, weil die Verschleppung Abdullah Öcalans einen Angriff auf die ganze kurdische Gesellschaft und ihr Streben nach Freiheit darstellte. An vielen Orten werden morgen Demonstrationen und Aktionen stattfinden. Viele fasten auch an diesem Tag, aufgrund der einschneidenden Bedeutung dieses Ereignisses.

Zum Abschluss senden wir Grüße an die neue Gruppe, die sich in Saarbrücken gegründet hat, um sich an der Kampagne Women Defend Rojava zu beteiligen. Wir wünschen euch allen viel Kraft und Erfolg!

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