Nachricht aus Rojava – 20.02.2026

Höre hier die Nachricht als Audio:

Liebe Freund:innen,

wir melden uns aus Rojava, aus dem Herzen der Frauenrevolution, wo in diesem Moment das Leben verteidigt wird.

Hier sind die Unruhen weiter präsent. Während Kobane weiterhin belagert ist, gehen die Verhandlungsgespräche weiter.

Es ist ganz klar, auch wenn dieser Krieg nicht mehr hauptsächlich auf dem Schlachtfeld militärisch stattfindet, sondern nun am Verhandlungstisch, ist er keinesfalls vorbei.

Was an diesem Verhandlungstisch entwickelt wird, ist eine neue Form von Politik.

Wir kònnen diese Politik mit Kunst gleichsetzen und sie in den Kontext des Aufrufes Abdullah Ocalans vom 27. Februar letzten Jahres setzen, ein Aufruf für Frieden und eine demokratische Gesellschaft, auf den die Auflösung der organisatorischen Arbeiterpartei Kurdistans und ihre Entwaffnung folgten. Diese Partei war mit dem Ziel einer nationalen Befreiungsbewegung, eines Kurdischen sozialistischen Staates, gegründet. Aus langen Reflexionsprozessen folgte die Erkenntniss, dass ein Staat immer ein Werkzeug von Ausgrenzung und Unterdrückung ist und daher nicht zu Freiheit führen kann.

Das Streben der Rojava Revolution, war nie ein eigener Staat, sondern im Gegensatz die Ablehnung staatlicher Strukturen. Die Rojava Revolution verkörpert die Entfaltung einer demokratischen Nation, in der alle Ethnien, Religionen und Kulturen ein gemeinsames Leben aufbauen. Ihr Prinzip ist die Selbstverteidigung dieser Strukturen, und die Ablehnung jeglicher Gewalt, wie z.B. auch einem bewaffneten Kampf.

Dass Krieg nicht nur militärisch statt findet, haben wir in den letzten Wochen daran gesehen, wie stark diese Demokratische Nation durch rassistische Hetze auf der mentalen Ebene angegriffen wurde. Die Kurdisch und Arabische Bevölkerung Nord-und Ost – Syriens ist starken spalterischen Angriffen ausgesetzt. Diese Angriffe, dieser Spezialkrieg, findet vor allem in den Medien statt.

Ich möchte euch die Worte aus den letzten Tagen des Leiters des al-Tayy Rates der arabischen Stämme , Sheikh Hassan Farhan al-Tayy lesen:

„In jüngster Zeit beobachten wir eine spürbare Zunahme von Hassreden und Versuchen, Konflikte zu entfachen. Was wir heute brauchen, ist in der Tat eine klare kurdische und arabische Botschaft, eine Botschaft aller Parteien, die sich gegen diese hetzerischen Diskurse stellen. „

„Wir akzeptieren von keiner Partei einen provokativen Diskurs, der darauf abzielt, die Beziehungen zwischen zusammenlebenden Kurden, Arabern und Christen zu fragmentieren, und sowohl die kurdische als auch die arabische Gemeinschaft standen in Bezug auf Harmonie und Integration immer nebeneinander, sei es in der Vergangenheit oder in der Gegenwart, und dies wird auch in Zukunft so bleiben.“

„Die Stammes- und Clanstruktur ist eine tief verwurzelte soziale Realität, die trotz sich ändernder Autoritäten und Umstände Bestand hat. Was wir allen, die versuchen, aufzustacheln, vermitteln möchten, ist, dass kein Diskurs über den Diskurs der Loyalität gegenüber unserer gemeinsamen Geschichte und der Liebe, die Syrien verbindet, hinausgehen sollte. Die Botschaft, die wir bekräftigen, ist eine echte Botschaft: Syriens Mosaik kann von keiner Partei auseinandergerissen werden, noch können seine Bestandteile geteilt werden.“

Ein Weiterer Moment der Demokratischen Nation ist in diesen Tagen, ein Treffen des Syrischen Demokratischen Rates (MSD) mit einer Delegation aus Suweida. Die mehrheitlich Drusische Bevölkerung dieses südlichen Teils Syriens ist, wie die mehrheitlich kurdische Bevölkerung des nördlichen Teils, seit Monaten starken Angriffen und Massakern durch die Kräfte der Syrischen Übergangsregierung ausgesetzt. Diese Massaker hatten im Sommer 2025 ihren Höhepunkt, erstarken jedoch auch in diesen Tagen. Erst gestern ist ein Auto explodiert und der Fahrer gestorben. Hier vielleicht was das genau war

Nach dem Treffen, dass gestern in Haseke stattgefunden hat, hat MSD Co-Vorsitzende Leyla Qereman

betont, wie wichtig es sei, den Übergangsprozess in Syrien voranzutreiben, und betonte die Notwendigkeit, ein politisches System aufzubauen, das auf Dezentralisierung, Pluralismus und Demokratie basiert.

Eine weitere Nachricht ist der Abzug der US-Truppen aus Syrien. Während gleichzeitig die Proteste im Iran weitergehen, bereiten sich die Kräfte der imperialen Mächte auf einen Krieg im Iran vor.

Diese Entwicklungen im Mittleren Osten, die geförderten Unruhen im Iraq, die von der Lage im Iran nicht zu trennen sind, bereiten vor allem auch der Ezidischen Gemeinschaft im Shengal grosse Sorgen:

Die Jineoloji Akadmie im Shengal hat einen Bericht veröffentlicht, indem sie sagen:

„Der 2014 begonnene Genozid und Feminizid der Terrororganisation ‚Islamischer Staat‘ (IS) hat neben großem Leid auch einen starken Widerstands- und Selbstorganisationswillen hervorgebracht. Die Ezidinnen und Eziden sind nicht mehr dieselben von früher – sie werden sich verteidigen“ – Jineoloji Akademie Shengal

Der Bericht wird in wenigen Tagen auf der Website der jineoloji auch in Englisch lesbar sein.

Langsam werden die Tage wärmer in Rojava. Der Frühling kündigt sich durch einzelne sonnige Tage an.

Mit dem Frühling naht das Neujahrsfest Newroz.

Der Kongress der kurdischen Gemeinschaft schreibt:

Dieses Jahr sollte das Newroz Feuer in dem Licht der

Frauenbefreiung,

der gleichwertigen und freien Einheit der Völker

einem ökologischen Leben

und der demokratischen Nation stehen.

Wir schicken den Frühling, als Zeichen des Widerstandes des Lebens, bis in eure nördlichen Regionen,

Mit widerständigen Grüssen aus Rojava

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