Nachricht aus Rojava – 21.02.2026

Höre hier die Nachricht als Audio:

Liebe Freund:innen,

wir grüßen euch das Rojava, aus Nord- und Ostsyrien, aus dem Herzen der Frauenrevolution.

In der aktuellen Phase der Veränderung und der Umbrüche, den patriarchalen Angriffen der syrischen Übergangsregierung ausgesetzt, müssen wir Widerstand auf allen Ebenen leisten. So wie die Menschen hier in Rojava. Wo der syrische Staat versucht den Willen der Bevölkerung zu brechen, die Kultur, die Sprache, die Errungenschaften anzugreifen, organisiert sich die Bevölkerung nur umso stärker. Während die Sicherung des Rechts auf Bildung in kurdischen Sprache und auch anderer Minderheitensprachen in Syrien immer noch nicht im Integrationsprozess gewährleistet wurde, während für viele Kinder in Nordostsyrien die Schule immer noch nicht weitergeht, weil in den meisten Schulgebäuden Flüchtlinge leben, ist ein Theaterstück auf kurdischer Sprache für Kinder ein Zeichen dafür, wie auch mit Kunst und Kultur täglich Widerstand geleistet wird

So ein Theaterstück haben wir diese Woche besucht und möchten euch davon berichten.

Kinder Theater

Das Theaterstück wurde von einer Jugendgruppe für Kinder entwickelt.  Die Idee des Stückes ist es, Kindern das Konzept von Sauberkeit bzw. konkreter dem Zähneputzen näher zu bringen. In dem Stück hat sich ein Schauspieler als Karies verkleidet, zwei andere haben die Rolle der Zahnpasta und Zahnbürste übernommen. Der Karies versteckt sich unter den Kindern, die es dann verraten woraufhin es gejagt wird und von der Zahnbürste und Zahnpasta vor ein Gericht gestellt wird. Am Ende wird der Karies freigesprochen, da ihm nichts nachgewiesen werden konnte – und die Kinder bekommen aber eine Warnung mit, dass sie jetzt ja wissen, wie sie sich gegen den nun freilaufenden Karies schützen können.

Der ursprüngliche Plan war es, vor den Angriffen der HTS, das Stück in Schulen aufzuführen. Da die Schulen momentan bewohnt sind von Menschen, die aus ihren Heimatorten fliehen müssen, wurde kurzfristig umdisponiert. 

Das Theater wird nun für die vertriebenen Kindern aufgeführt. Gerade für Kinder, die im Krieg leben und keine Schule besuchen können, ist es sehr wichtig Angebote zu schaffen. Es ist eines der ersten Kindertheaterstücke, die in Verbindung mit Bildung gebracht wurde. 

Der Regisseur sagte uns nach dem Theater: Kunst und Kultur sind wichtige Pfeiler der Gesellschaft. Sie archivieren die Geschichte, drücken die aktuellen Lebensbedingungen der Gesellschaft aus und üben vor allem Kritik. Er saft uns, dass Theater und Kunst die Waffen der Gesellschaft sind.

Ein anderer Schauspieler und Regisseur, der das Stück auch besuchte, erzählte uns von seinem langen Leben als kurdischer Schauspieler in Syrien unter Assad. Da die kurdische Sprache unter Assad verboten war, war es auch das Theater auf kurdisch – was Kurd*innen aber trotzdem nicht davon abgehalten hat, auf kurdisch Theater zu spielen. In den 80er Jahren fingen erste kurdische Theatergruppen an, sich im Untergrund zu organisieren, bei Menschen zuhause oder auf der Straße Theater zu spielen. Oft wurden diese Veranstaltungen von der Polizei aufgelöst, die die Menschen dann verhafteten. 

Die Themen von damals sehen wir auch in unseren aktuellen Diskursen. Die Bereiche Kunst und Kultur und die kurdische Sprache werden heute im Zusammenhang mit dem Abkommen vom 29. Januar verhandelt.

Damit kommen wir zum nächsten Thema 

Internationaler Tag der Muttersprache

Heute ist internationaler Tag der Muttersprache, ein sehr bedeutsamer Tag für Sprachen, die kaum noch gesprochen werden bzw. gesprochen werden können.

In Amed, in Nordkurdistan, wurde ein Park in Gulîstana Zimanan (Rosengarten der Sprachen) umbenannt – als symbolischen, kunstvollen Akt wurden zehn seiner Wege nach bedrohten Sprachen benannt.

Die Namen Kurmancî, Kirmanckî (Zazakî), Armenisch, Surayt, Abchasisch, Tscherkessisch, Lasisch, Homschezi, Romani und Ossetisch finden sich nun auf kunstvoll dekorierten Holzschildern wieder. All diese Sprachen, werden kaum noch gesprochen oder dürfen nicht gesprochen werden, viele sind bedroht. In Amed beispielsweise sprechen nur 30% der Kurdinnen kurdisch – bei den Kindern sind es sogar nur 8%.

Auch in Rojava fanden heute viele Aktionen zum Tag der Muttersprache statt.

Hier wird weiterhin das Recht auf die kurdische Sprache als Unterrichtssprache im Bildungssystem verteidigt. Die Verhandlungen finden im Rahmen des neuen Abkommens zwischen der syrischen Übergangsregierung und der autonomen Selbstverwaltung Nordost Syriens statt.

Wir haben Stimmen aus der Gesellschaft eingefangen:

Ein Kind sagte: „Kurdisch sprechen bedeutet für mich zu sein. Ich selber zu sein. Am liebsten singe ich kurdische Lieder.“

Eine Frau, die auf der Demonstration in Qamishlo heute sagte: „Ich bin Kurdin. Kurdisch ist meine Mutterspreche. Sie ist nicht nur ein Kommunikationsmittel für mich, sondern meine Identität, meine Existenz und meine Zukunft.“

Suryoye

Die Gemeinde der Suryoye in Syrien rief heute dazu auf, Suryoye in ihrer Existenz, ihrer Kultur und ihrer Sprache verfassungsgemäß anzuerkennen. Suryoye ist eine Eigenbezeichnung für unterschiedliche ethno-religiöse Auslegungen der Christen in Mesopotamien. Die Suryoye waren eine der ersten Gemeinschaften, die sich zum Christentum bekannte. Die aramäische Sprache hat eine große historische Bedeutung und wird heute in vielen Dialekten gesprochen.

In einem Vortrag gab Yaqoub Barsom einen historischen Überblick über das kulturelle und wissenschaftliche Erbe des syrischen Volkes und die Rolle seiner Sprache bei der Gestaltung der Zivilisation in der Levante und Mesopotamien.

Den Kampf um die Anerkennung der eigenen Sprachen führen heute nicht nur die Kurd:innen, sondern auch die Suryoye, so wie viele andere Minderheiten, die von der syrischen Übergangsregierung in ihrer Existenz bedroht werden.

Das Gesellschaftsmodell des demokratischen Konföderalismus, nach dem bis jetzt in der autonomen Selbstverwaltung im Nordost Syrien gelebt wird, begründet auf der Philosophie von Abdullah Öcalan, sieht vor, dass alle Bevölkerungsgruppen zusammen leben können und das Recht auf ihre eigene Sprache und Kultur haben.

Afghanistan: 

Wir können erst in einer befreiten Gesellschaft leben, wenn alle Frauen frei sind.

Daher müssen wir uns verbinden und auf die Befreiung aller Frauen hinwirken.

Unsere Herzen brennen vor Wut, wenn wir die Nachrichten aus Afghanistan hören.

Dort wurde heute ein Gesetz erlassen, welches Männern erlaubt, Gewalt nach eigenem Ermessen gegenüber ihre Frauen und Kindern auszuüben. Eine Anzeige von Gewalttaten wird dadurch erschwert. Außerdem müssen Frauen, im Falle einer Anzeige, ihre Misshandlungen einem männlichen Richter in Anwesenheit eines männlichen Vormunds schildern.

Das Gesetz sieht außerdem vor, dass Frauen die Zuflucht in ihren Familien suchen, bestraft werden können. 

Amed

Heute waren viele wütenden Frauen auf den Straßen von Amed. Sie versammeln sich, um zu Trauern aber auch um zu Protestieren. In den letzten 24h wurden 6 Frauen, aufgrund ihres Geschlechtes in der Türkei ermordet. Ein solches Töten wird auch Feminizid genannt. Die versammelten Frauen klagen den faschistischen türkischen Staat an für seine patriarchale Politik.

Weltweit finden täglich mehrere Feminizide statt; das Töten von Frauen im Patriarchat hat System.

Daher kämpfen wir gemeinsam gegen Feminizide. Die Kampagne „Wir wollen uns lebend“ vom Netzwerk gegen Feminizide ist ein guter Ort um sich gegen patriarchale Gewalt und Anti-Feminizidarbeiten zu organisieren.

Zum Schluss wollen wir euch noch von den geplanten Demonstationen in Europa berichten.

8 März Europa

TCK-E, die kurdische Frauenbewegung in Europa ruft Aktionen vom 1. bis 10. März aus.

Die Aktionen sollen kreativ und kraftvoll gestaltet werden mit dem Fokus auf die Angriffe in Rojava und den Frauenerrungenschaften, die immer noch verteidigt werden müssen. Kollektiv soll an alle demokratischen Kräfte appelliert werden Druck auf internationale Kräfte aufzubauen. Neben Demonstrationen sind Workshops, Theateraufführungen, Filmabende und Diskussionsveranstaltungen vorgesehen.

Und damit senden wir euch revolutionäre Grüße!

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