Nachricht aus Rojava – 23.02.2026

Liebe Freund:innen, und Genoss:innen, 

Heute ist der 23. Februar, und hier ist unser tägliches Update aus Rojava, dem Herzen der Frauenrevolution.

Rückkehr der Binnenvertriebenen

Heute fanden weitere Gespräche mit den inneren Sicherheitskräften der Autonomen Selbst Verwaltung und dem Verteidigungsminister der syrischen Übergangsregierung statt. Sie besuchten Orte in Rakka, Scheik Maqsud und Eschrifyer, um praktische Pläne für eine sichere und würdevolle Rückkehr der Binnenvertriebenen zu besprechen. 

Es gibt Hoffnung, dass die Gespräche voran kommen, dennoch bleibt die Frage nach der Sicherheit für die Vertrieben, welche hoffentlich bald Antwort findet.

Der IS ruft den Dschihad gegen die HTS aus

Vor zwei Tagen veröffentlichte der Sprecher des IS ein Statement. Es ist die erste offizielle IS-Botschaft seit zwei Jahren. Darin greift er die syrische und die türkische Regierung an und erklärt, in Syrien sei ein  ungläubiges System durch ein anderes ersetzt worden. Er beschuldigt Jolani, als Grenzschutz für Israel zu agieren. Zudem lobt er IS-Ableger in Zentralafrika und Mosambik für Angriffe auf Christen. Weiterhin rief er zu erneuten Angriffen auf die Anti-IS-Koalition und die syrische Regierung auf. 

Am 20. Februar griffen sie  Deir ez-Zor an und töteten dabei drei Menschen. Gestern gab es einen Angriff in Rakka. Sie behaupten, sechs Menschen getötet zu haben, allesamt Angehörige der syrischen Sicherheitskräfte. 

ISIS und die syrische Übergangsregierung sind zwar unterschiedliche Gruppierungen, teilen aber eine patriarchale, homogene und gewalttätige Mentalität. 

Ihre Feindschaft rührt vom Konkurrenzkampf um die absolute Macht. 

Manche Medien nutzen dies bereits als Beispiel dafür, warum die syrische Übergangsregierung gar nicht so schlimm sei und sich vom IS unterscheide, Damit verschleiern sie sogar ihre gemeinsamen Wurzeln. Sie waren es, die die IS-Gefängnisse öffnete; sie waren es, die bei einem Besuch der syrischen Regierungsdelegation in Hesekei das vom IS bekannt gemachte Symbol „Ein Gott, eine Macht“ präsentierten; sie waren es, die einem Kämpfer das Herz herausschnitt und ihm die Augen ausstachen; sie war es, die die Genossin Deniz von einem Gebäude stießen; sie waren es, die einen brutalen Krieg entfachten, der in ganz Syrien Terror verbreitete; sie waren es, die Massaker an Drusen und Alawiten verübten.

Dass Jolani und der IS gegeneinander kämpfen, ist nicht verwirrend; sie teilen eine patriarchale-faschistische und islamistische Mentalität. Es ist ein Kampf um die Macht.

Bedrohungslage im Shengal

Wir müssen den Shengal sehr genau im Auge behalten und bereit sein, bei Bedarf zu handeln.

Nachdem der türkische Außenminister vorgeschlagen hatte, die irakische Armee solle die Verteidigungskräfte der Jesiden angreifen, hat das irakische Militär in der Nähe vom Shengal einen neuen Militärstützpunkt errichtet. 

Die türkische Armee besetzt große Teile des Nordiraks, der zu Südkurdistan gehört. Sie hat nun mit dem Bau einer neuen Militärstraße in dieser Region begonnen. Offenbar bereitet sie sich darauf vor, militärische Ausrüstung und Soldaten über diese Route verlegen zu können. In den vergangenen Jahren wurden entlang des Grenzstreifens Dutzende türkische Militärstützpunkte, Basen und strategische Straßen errichtet. Wie das irakische Militär bereiten sich auch sie auf einen Angriff vor. 

Die KJK erklärte dazu:

„Der Nahe Osten befindet sich an einem kritischen Wendepunkt. Er muss entweder eine demokratische Lösung gemäß der Vision von Abdullah Öcalan annehmen und radikale Lösungen für seine Probleme entwickeln, oder er wird seine gegenwärtige Politik der Verleugnung fortsetzen und zu jeder Form der Zerstörung verurteilt sein.“ 

In der Erklärung wurde auf die „zweite Verschwörung vom 15. Februar“ Bezug genommen, die mit dem Angriff auf Rojava begann. 

Darin wurde erklärt, dass diese Verschwörung heute mit einem Plan gegen Shengal fortgesetzt werde, da jede Militäroperation und jeder Versuch, die autonome Verwaltung der Region zu beenden, einem zweiten Angriff des IS auf die Jesiden gleichkäme.

„Die Angriffe auf Shengal stellen einen Völkermord an Frauen, Kurden und religiösen Überzeugungen dar.“

Fünf kurdische Parteien schließen sich in Rojhilat zusammen 

In Rojhilat (Ostkurdistan, Iran) haben sich fünf kurdische Parteien zu einem Bündnis zusammengeschlossen, um angesichts der aktuellen politischen Lage im Land gemeinsam weiterzuarbeiten und zu kämpfen. In einer gemeinsamen Erklärung hieß es: 

„Unser Hauptziel ist der Kampf für den Sturz der Islamischen Republik Iran und die Erlangung des Selbstbestimmungsrechts der Kurden, um die Errichtung einer nationalen und demokratischen Einheit auf der Grundlage des nationalen politischen Willens der Kurden in Ostkurdistan zu ermöglichen. Wir werden in dieser Phase Proteste und Bewegungen im ganzen Iran gegen die Islamische Republik unterstützen. Jede Zusammenarbeit oder Vereinbarung mit anderen Parteien basiert auf der Anerkennung der nationalen Rechte der Völker, der Akzeptanz der Demokratie und der Ablehnung jeder Form von Diktatur.“ 

In der Erklärung wurde betont: „Wir setzen uns für Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit, die Gleichstellung von Mann und Frau, die Förderung freier Wahlen, die Gewährleistung der Grundrechte aller ethnischen und religiösen Gruppen in Kurdistan und den Aufbau eines demokratischen Verwaltungssystems in Ostkurdistan ein, um die Sicherheit des Landes zu gewährleisten. Wir betrachten dies als unsere Pflicht.“

Kobane

Kobane ist weiterhin belagert! Wir müssen den internationalen Druck vergrößern. Jeden Abend nach dem Iftar verteidigen die Mütter in Kobane ihre Stadt. In einem Interview bekräftigen sie ihr Versprechen an ihre Kinder, die Stadt weiterhin zu schützen. 

Salima Ramadan, eine 60-jährige Frau, steht an einer der Hauptstraßen von Kobane und sagt: „Wir fürchten die Belagerung nicht, denn es ist nicht das erste Mal, dass uns diese Politik aufgezwungen wird. Und weil wir gelernt haben, uns allen Widrigkeiten zu stellen, setzen wir unseren Widerstand fort.“ 

Sie bekräftigt: 

„Wir überlassen unseren Schutz und unsere Existenz keinem Staat oder irgendwelchen externen Kräften. Wir setzen auf den Sieg durch den Willen unserer Kinder und unseres revolutionären Volkes.“ 

Sie erinnert an Kobanes Widerstand gegen den IS im Jahr 2014: „Wir werden triumphieren, so wie wir schon einmal triumphiert haben. Wir sind nicht an Niederlagen gewöhnt; wir sind an Fortschritt und Sieg gewöhnt.“ 

Salima Ramadan hat drei Söhne, die an vorderster Front kämpfen: „Meine Söhne schützen zusammen mit ihren Kameraden die Stadt vor möglichen Angriffen, und wir Mütter in der Stadt sorgen für Stabilität und Sicherheit.“ 

Sie betont, dass die Zivilbevölkerung keine Angriffe fürchten müsse, da sie jederzeit zum Schutz und zur Verteidigung bereit sei. „Verteidigung und Schutz sind unsere Entscheidung.“

Und damit senden wir euch revolutionäre Grüße aus Rojava!

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