Aufruf: Verteidigt die Errungenschaften Rojavas und verhindert das nächste Massaker im Şengal!

Aufruf von Women Defend Rojava:
Seit Anfang des Jahres richtet sich der Krieg gegen die Minderheiten Syriens zunehmend auf die selbstverwalteten Regionen im Norden und Osten des Landes.
Seid dem wurden große Landstriche von den islamistischen Truppen der HTS – der Übergangsregierung zugehörig, eingenommen. Hunderte Menschen sind seit dem ermordet worden und viele weitere gelten als Vermisst – ihr Schicksal ist momentan unbekannt.

Am 29.01 wurde nach Angriffen der Übergangsregierung und Selbstverteidigung des selbstverwalteten Gebietes ein Abkommen zwischen diesen beiden geschlossen. Doch bis heute wurde dies durch die Übergangsregierung nicht ausreichend umgesetzt.
Es ist gerade unglaublich wichtig, dass wir, nachdem der militärische Vormarsch gestoppt werden konnte, auch die Angriffe auf die Errungenschaften der Frauenrevolution zu stoppen. Auch wenn die Angriffe formal vom syrischen Staat ausgehen, stehen sie im Einklang mit den Interessen der USA, Israel, Frankreich und England und auch die deutsche Bundesregierung trägt dies durch ihr schweigen mit. Daher lasst uns zeigen, dass wir sie in der Verantwortung sehen und einen Kurswechsel fordern.

Ihr Ziel, die Errungenschaften der Revolution und insbesondere der Frauenrevolution nach und nach zu untergraben ist inakzeptabel:
Bis heute fehlen gesetzliche Garantien für das Recht auf Unterricht in der eigenen Muttersprache. Auch werden Lerninhalte der Institutionen in den Selbstverwalteten Gebieten wie die Jineolojî (Wissenschaft der Frau und des Lebens) grundlegend infrage gestellt.
Ebenso muss die Umsetzung des Ko-Vorsitz-System, diese grundlegende Errungenschaft der Frauenrevolution Institutionelle anerkannt werden. Auch wurde bis heute das Recht von Frauen auf eigenständige Organisierung und Selbstverteidigung von der Übergangsregierung nicht anerkannt.
Doch besonders jetzt wo es um den Schutz der bald heimkehrenden geflüchteten Familien nach Aleppo und Afrin (Städte in Syrien) geht müssen wir darauf bestehen, das die Gesellschaft in der Lage sein muss, sich bei physischen Angriffen selbst zu verteidigen. Denn immer wieder haben Angriffe von Staaten oder islamistischen Gruppierungen gezeigt, dass dies notwendig ist um einen Genozid der Gesellschaften zu verhindern.

Da gleiche Recht für Selbstverteidigung müssen wir auch für die Menschen im Şengal einfordern. Der irakische Staat hat die Gesellschaft und die Selbstverteidigungskräfte zur Waffenabgabe aufgerufen und auch erste Razzien zur Entwaffnung haben bereits stattgefunden. Es soll darauf vertraut werden, dass der irakische Staat die Êzid:innen schützt und dass es deshalb ja keine Selbstverteidigungskräfte braucht. Dies geschieht, nachdem die Umsiedelung von tausenden IS Gefangenen in die Region abgeschlossen wurde.
Der IS hat das Massaker am 3.August 2014 im Şengal an der êzidischen Bevölkerung verübt. Nachdem diese zuvor von der Peşmerga (Irakisch kurdisches Militär) mit dem gleichen Argument entwaffnet wurden.
Als Antwort und Schutz vor weiteren Massakern wurde von den êzidischen Bevölkerung im Şengal Selbstverteidigungsstrukturen Aufgebaut.
Heute sehen wir eine alarmierende Parallelität zu jenem Genozid.

Anders als im Krieg gegen die Gebiete der Selbstverwaltung in Nord-Ost-Syrien ist der Şengal von unterschiedlichen militärischen Kräften eingeschlossen, wie z.B. der irakischen Armee und der HTS. Eine Fluchtbewegung wie von Raqqa nach Qamişlo ist im Gebiet des Şengal nicht möglich, was die Gefahr eines Genozid erheblich verstärkt.

Daher schlißen wir uns den Forderungen der êzidischen Gemeinschaft an:

  • -Die offizielle Anerkennung der Selbstverteidigungskräfte von Şengal (YBŞ–YJŞ) sowie der
    Asayîşa Êzîdxanê durch die irakische Regierung.
  • -De Anerkennung des Rechts der êzîdischen Gemeinschaft auf Selbstverteidigung und demokratische
    Selbstverwaltung.
  • -Die rechtliche Anerkennung und verbindliche Garantie eines gesicherten Status für Şengal.

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