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Liebe Freund:innen,
wir melden uns aus Rojava, aus dem Herzen der Frauenrevolution, wo in diesem Moment das Leben verteidigt wird.
Integration in Kobane geht voran
Wir beginnen unser tägliches Update wieder in Kobane. Die Stadt ist noch immer belagert und es fehlt weiterhin an konkreten Schritten die Belagerung aufzuheben.
Im Rahmen des Integrationsprozesses hat die Sicherheitsleitung des Gouvernements Aleppo, das heißt Strukturen der syrischen Übergangsregierung, das Gebäude der für Innere Sicherheit in Kobanê nun formell übernommen und bezogen.
Bei einem Treffen mit Abteilungsleitern der Asayîş, der lokalen Sicherheitskräfte der Selbstverwaltung, wurde die Zusammenarbeit besprochen.
Auch wurden südlich von Kobane nun geteilte Kontrollpunkte eingerichtet, die gemeinsam durch die Syrische Übergangsregierung und die Asayîş besetzt werden.
Wann mit einem Ende der Belagerung von Kobanê zu rechnen ist, ist trotz dieser Schritte nach wie vor unklar.
Trotz der schwierigen Lebensumstände kamen heute hunderte Bewohner:innen Kobanes auf dem Platz der Freien Frauen zusammen, um ihre Untertstützung für den Aufruf von Abdullah Öcalan zu Frieden und einer demokratischen Gesellschaft zu bekräftigen. Es wurden Reden gehalten, Parolen gerufen, Fahnen geschwenkt und gemeinsam getanzt.
Proteste in Suweida
Auch in Sweida gingen Drus:innen auf die Straße, um für ein würdevolles Leben in Frieden zu demonstrieren. Zentrale Forderungen sind die Entlassung von Gefangenen, das Recht auf Selbstbestimmung und die Einrichtung eines sicheren Korridors, um die Versorgung und Mobilität zu garantieren. In den letzten Wochen unterbrach die Syrische Regierung immer wieder Straßen und belagerte Sweida, was zu Versorgungsengpässen führte.
Krieg im Mittleren Osten
Außerdem ist ein Wohngebäude in Sweida Stadt bombardiert worden. Fünf Zvilist:innen wurden ermordet. ANHA legt nahe, der Angriff könne mit den Angriffen zwischen Iran, USA und Israel zusammen hängen. Denn seit letzter Nacht ist dieser Krieg, der über die letzten Jahre mit vielen Schritten vorbereitet wurde, eröffnet.
Unter den Namen „Operation Epic Fury“ und „Operation Lion’s Roar“ haben die USA und Israel ihren Krieg gegen den Iran begonnen und mindestens 14 Ziele im Iran und in Ostkurdistan bombardiert. Erklärtes Ziel ist die Vernichtung besonders starker Bomben, die die Iranische Armee besitzt. Klar ist jedoch, dass dies ein entscheidender Schritt in dem großen Plan der USA zur Umgestaltung des Mittleren Ostens ist, mit dem Ziel die Stellung Israels als dominante Kraft im Mittleren Osten und die der USA als weltweite Hegemonialmacht zu sichern und Ressourcen unter die eigene Kontrolle zu bringen.
Es ist jedoch schon jetzt klar, dass die Angriffe nicht nur rein militärische Ziele ins Visier nehmen. Unter anderem wurden im Süden des Iran 40 Menschen, darunter Kinder, bei der Bombardierung einer Grundschule für Mädchen umgebracht.
Der Iran antwortete mit Luftangriffen auf Israel und mehrere US-Stützpunkte im ganzen Mittleren Osten, darunter auch einen ganz nah am Flughafen in Hewler/Erbil (Südkurdistan/Nordirak).
Gewalt in Syrien
Auch in Syrien bleibt die Lage angespannt. Es zeigt sich deutlich, dass der Krieg einen Anstieg von Gewalt in der Gesellschaft mit sich gebracht hat. In Deir ez- Zor, einer Region die vor wenigen Wochen noch zur Selbstverwaltung gehörte, ereignete sich eine gewaltsame Eskalation die zum Tod dreier Menschen führte. Auch in Damaskus gab es gestern einen Angriff auf Sicherheitspersonal der Übergangsregierung. In Homs wurden die Leichen zweier ermordeter Frauen in einem Wohnhaus gefunden. Diese Vorfälle ereignet sich im Zuge einer Zunahme der Gewalt, die mit der Verbreitung von Waffen, dem herrschenden Sicherheitschaos und ganz klar auch mit der Verbreitung gewaltvoller Ideologien zusammenhängt. Auch wenn es keine offiziellen Zahlen dazu gibt, müssen wir davon ausgehen, dass in dieser Zeit auch häusliche Gewalt gegen Frauen und Kinder und Feminizide steigen.
Widerstand in Syrien
Die Syrische Unions Partei (PYD) hat heute auf Versammlungen in Heseke und Dirbesiye die Wichtigkeit der Beteiligung der Kurdischen Gesellschaft an der Gestaltung der neuen Syrischen Verfassung betont. Mit „demokratischem Widerstand“ wollen sie auf den Aufbau eines demokratischen Staates hinwirken, in dem die Rechte aller Bevölkerungsteile, die Rolle von Frauen und Jugendlichen, die Autonome Verwaltung und die Rückkehr der Vertriebenen gesichert sind.
Hedla Abdul Wahab aus Til Temir setzt dem noch eins oben drauf. In einem Interview sagte sie heute: „Wenn die Syrische Verfassung das Familiengesetzt und das Mala Jin nicht anerkennt, sind die Frauen bereit 2026 eine weitere Revolution zu starten.“
Mit dieser widerständigen Bestimmtheit beenden wir unsere heutige Nachricht und senden euch Grüße aus Rojava!

