Statement: Frauenleben, Freiheit! Wir verteidigen die Errungenschaften der Frauenrevolution!

Statement zum 8. März:
Am 29.01.2026 wurde nach Angriffen der syrischen Übergangsregierung und Selbstverteidigung des selbstverwalteten Gebietes ein Abkommen zwischen diesen beiden geschlossen.
Das Abkommen zielt darauf ab die Institutionen der Autonomen Selbstverwaltung Nordost Syriens in die Strukturen des syrischen Staats zu integrieren.
Doch bis heute wurde dies durch die Übergangsregierung nicht ausreichend umgesetzt.
Die physischen Angriffe sind weniger geworden, jedoch wird der Kampf für ein demokratisches Leben und für die Frauenrechte nun am Verhandlungstisch weiter geführt.

Wir dürfen nicht vergessen, dass die Verhandlungspartner, die der Autonomen Selbstverwaltung gegenüber am Verhandlungstisch sitzen, dieselben Menschen sind, die auch die Angriffe im Januar ausgeführt haben.
Die syrische Übergangsregierung, der IS und der türkische Staat handeln immer noch nach derselben Mentalität. Einer faschistischen und misogynen Mentalität, die einer Staatslogik folgt und darauf abzielt den Willen der Frauen zu brechen.

Die Mentalität der syrischen Übergangsregierung ist die selbe, die Frauen Zöpfe abschneidet und sie als Trophäe öffentlich zur Schau stellt. Die Geste des Zopfabscheidens ist ein Angriff auf den Geist der Frau, weil die Frauen mit ihren Werten und Ideen eine demokratische Gesellschaft aufbauen.
Unsere Herzen schmerzen und unsere Seelen brennen vor Wut, wenn wir an unsere Genossin Deniz Çiya denken, denen Leichnam sie schändigen, indem sie ihn aus einem Gebäude geworfen haben.
Und es ist dieselbe Mentalität, der Frauenverachtung, durch das Verbrennen der Frauenbibliothek der Jineoloji in Aleppo, ausdrückt.

Doch warum greifen Sie die Frauen an? Sie greifen die Frauen an, da sie Angst vor ihnen haben. Sie greifen sie an, da sie wissen, dass Frauen das Rückgrat der Gesellschaft sind und die Ideen eines freien Lebens verkörpern. Die stärkste Waffe, die Selbstorganisierung der Frauen, fürchten sie am meisten, da diese entgegen der Grundlage ihrer patriarchalen Ideologie, nämlich der Unterdrückung der Frauen steht.

Jin Jiyan Azadi – Frauen leben Freiheit.

In dem neuen Integrationsabkommen sind die Rechte der Frauen und die weitere Umsetzung ihrer Errungenschaften noch nicht festgeschrieben.
Daher müssen wir weiterhin, Schritt für Schritt, um die Gesetze des Abkommens und der syrischen Verfassung kämpfen und verhandeln.

Das Ko-Vorsitzende System, ist nicht nur eine Sicherung der Frauenquote, sondern garantiert auch, dass die Perspektive und die Werte der Frauen einen Einfluss auf politische Entscheidungen haben.
Nur so ist der Aufbau einer demokratischen Gesellschaft möglich. Bis heute gibt es keine Regelung im Abkommen, dass dieses System bestehen bleibt. Eher im Gegenteil, ist davon die Rede, dass es einen Vorsitz und eine Assistenz geben soll, was dem Ko-Vorsitzenden System nicht entspricht.

Auch die Kurdische Sprache muss als Unterrichtssprache erhalten bleiben. Sprache bedeutet Identität, sie ist der Ausdruck eines kollektiven Gedächtnisses der kulturelles und geschichtliches Wissen weiter gibt. Sprache bedeutet sein.
Wir kämpfen für den Erhalt der kurdischen Sprache und eine verfassungsgemäße Anerkennung
Ebenfalls fordern wir, dass die Jineologi, die Wissenschaft der Frau weiterhin Bestand der Lehrpläne bleibt und an Universitäten und Schulen unterrichtet werden kann.
Daher muss die Verfassungsklausel zur Verabschiedung des Dekrets Nr. 13 über den Schutz der sprachlichen und kulturellen Rechte der Kurden in die Verfassung mit aufgenommen werden.


Fraueneinrichtungen, wie Frauenhäuser, Fraueninstitutionen, Frauengerichte und Räte müssen weiterhin beständig und finanziert werden.
Ohne eine selbstständige Organisierung der Frauen kann es keine Verbesserung der Lebensbedingungen und der Frauenrechte geben.

Die YPJ, die Fraueneinheit der Selbstverteidigungseinheiten der Autonomen Selbstverwaltung, muss ein Teil der syrischen Armee werden. Die YPJ bedeutet für uns konkreten Schutz und Sicherheit für Frauen.
Es waren die Fraueneinheiten der YPJ, die den IS im Jahr 2014 bekämpft haben, daher benötigen wir den Mut und die Tapferkeit der Frauen auch heute. Heute, wo die syrische Übergangsregierung über IS Gefangene aus dem Camps und Gefängnissen befreit hat und sich diese nun überall in Syrien verstreut haben. Dieser Akt zeigt uns wiedermal welch islamistische und dschihadistische Mentalität die syrische Übergangsregierung und der unterstützende türkische Staat verfolgen. Das Erstarken des sogenannten Islamischen Staates im Mittleren Osten wird auch die Ermordung, Unterdrückung, Vergewaltigungen und Folter von Frauen bedeuten.

Im Namen aller Frauen in Nordost Syriens verkündet Kongra Star: „Es gibt keine Alternative zur verfassungsrechtlichen Anerkennung, um die Frauenrevolution zu schützen und ein demokratisches Syrien zu gewährleisten.“


Daher müssen die Errungenschaften der Frauenrevolution, sowie allgemein geltende Frauenrechte in der neue syrische Verfassung festgeschrieben werden. Eine unabhängige Beteiligung von Frauen muss in allen Institutionen und gesellschaftlichen Bereichen sicher gestellt werden.

Außerdem fordern wir die Aufklärung der Fälle von Verschwundenen und Vermissten, sowie die Übernahme der Verantwortung für die Strafverfolgung der Täter von Gewalt gegen Frauen sowie Entschädigungen für die von Gewalt betroffene Frauen.
Von der internationalen Gemeinschaft fordern wir, die offizielle Anerkennung der Autonomen Verwaltung in Nordostsyrien und die Anerkennung der Vorreiterrolle der Frauen innerhalb dieser Verwaltung.

Heute bringen wir unsere Entschlossenheit und unseren Widerstand zum Ausdruck.
Sie werden unseren Willen nicht brechen können, denn wir Frauen weltweit haben bereits eine lange gemeinsame Widerstandsgeschichte die wir heute weiterschreiben!

Wir, die Frauenbewegungen und -organisationen in Rojava, als Kurdinnen, Araberinnen, Aramäerinnen, Assyrerinnen, Armenierinnen verteidigen heute unsere Errungenschaften und versprechen, dass wir eine Zerstörung unseres Erbes nicht zulassen.

Shengal – erst wenn alle Frauen befreit sind leben wir in einer breiten Gesellschaft

Das Recht auf Selbstverteidigung gilt auch für die Menschen in Şengal. Die Forderung des irakischen Staates nach Entwaffnung der êzidischen Selbstverteidigungskräfte ist verantwortungslos und gefährlich. Bis zum 10 März sollen die ezidischen Kräfte ihre Waffen niederlegen und damit ihre Selbstverteidigung aufgeben. Das irakische Militär hat einen neun Stützpunkt im Sengal etabliert. Erste Razzien haben bereits begonnen – ausgerechnet nachdem tausende ehemalige IS-Gefangene in die Region gebracht wurden.

Am 3. August 2014 verübte der sogenannte „Islamische Staat“ einen Genozid an der êzidischen Bevölkerung in Shengal – nachdem diese zuvor mit dem Versprechen auf Schutz entwaffnet worden war. Dieses historische Versagen darf sich nicht wiederholen.

Şengal ist heute militärisch von der HASAD (Al-Haschd asch-Schaʿbī) und der irakischen Armee eingeschlossen. Eine Fluchtmöglichkeit existiert nicht. Wer unter diesen Bedingungen Entwaffnung fordert, nimmt ein erneutes Massaker in Kauf.

Nie wieder darf die êzidische Gemeinschaft schutzlos zurückgelassen werden.

Um die Rechte aller Frauen weltweit zu erkämpfen und zu schützen, müssen wir zusammen kommen. Wir müssen gemeinsame Strategien und Praktiken gegen das Patriarchat, Kapitalismus und koloniale Ausbeutung diskutieren und transnationale Bündnisse der Hoffnung schmieden.

Die aktuellen Geschehnisse im Mittleren Osten ordnen sich in den Plan imperialistischer Mächte ein, den Mittlern Osten neu aufzuteilen. Diese Aufteilung basiert auf einer faschistischen, frauenfeindlich und kapitalistischen Staatslogik.

Zur Durchsetzung dieser Staats- und Machtlogik, welche entgegengesetzt zu dem Aufbau demokratischer und selbstverwalteter Gesellschaften steht, wird als Mittel ein brutaler Krieg gewählt. Wir wissen, dass Frauen und Kinder am meisten von der Gewalt im Krieg betroffen sind.

Flucht, die Entwurzelung und Trennung von der Familie, Abhängigkeit, Unterdrückung, Gewalt und Mord sind bewusste Strategien dieses Krieges.

Der Krieg, den Israel und die USA mit ihrem imperialistischen Angriff auf den Iran am 28. Februar begonnen haben, hat sich weiter ausgebreitet und kostet immer mehr Menschenleben. Im Iran wurden bereits hunderte Menschen getötet, darunter auch viele Frauen und Kinder. Der ganze Mittlere Osten ist von dem Krieg betroffen und der Versuch einer Neuordnung der Region ist deutlich.

In dem Ringen um Macht zwischen den USA, Israel und Iran, werden in diesem Krieg gezielt demokratische Projekte in den von Kurd:innen dominierten Regionen wie Rohjilat und Başur angegriffen. Besonders Rojhilat ist im Zentrum des Krieges, wo vor allem Kurd:innen, die Kräfte der Opposition angegriffen werden.

Die Bevölkerung ist organisiert und wachsam, was ihre stärkste Selbstverteidigung ist.

Gerade in Zeiten eines dritten Weltkriegs liegt die größte Stärke und Verteidigung der Frauen darin, zusammenzukommen, sich zu vereinen und Hoffnung zu säen.

Denn – erst wenn alle Frauen befreit sind können wir in einer befreiten Gesellschaft leben –
In dem Sinne wünschen wir allen Frauen* einen kämpferischen Kampftag!

03.03.2026 – Women Defend Rojava

Für dich vielleicht ebenfalls interessant …