Nachricht aus Rojava – 08.03.2026

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Liebe Freund:innen,

wir melden uns aus Rojava, dem Herzen der Frauenrevolution mit unserem täglichen Update.

Wir gratulieren allen Frauen weltweit zum internationalen Frauenkampftag und gedenken zugleich allen Frauen, die im Kampf um die Freiheit ihr Leben gelassen haben. Wir gedenken ebenfalls allen Frauen die auf Grund ihrer Lebensbedingungen, schwerer Arbeit in Fabriken, in Kankenhäusern oder im Haushalt, in Gefangenschaft, in Unterdrückung von Männern heute nicht auf den Straßen sein können.

Heute zum 8 März finden in ganz Kurdistan Proteste und Demonstrationen statt.

KJK

Die KJK – Gemeinschaft der Frauen Kurdistans ruft heute zum weltweiten Kampf der Frauen für Freiheit, Gleichberechtigung und Selbstbestimmung und einer globalen Organisierung der Frauen gegen Patriarchat, Krieg und kapitalistische Ausbeutung auf.

In einer Erklärung haben sie verkündet: „Der 8. März ist der Geist von Demokratie und Freiheit
Trotz Repression, Gewalt und Massakern haben Frauen ihren Widerstand in allen Bereichen des Lebens organisiert – in Gefängnissen, in den Bergen, auf den Straßen, in Betrieben, auf Feldern und in den Familien“.

In Anbetracht der Weltgeschehnisse sehen wir, dass der Kampf der Frauen zentral für ein freies und demokratisches Leben ist.

Die momentane Weltsituation ist von populistischen und autoritären Führungsfiguren geprägt, die ihre eigenen Machtinteressen über demokratische Werte und gesellschaftliche Bedürfnisse stellen. Dies zeigt sich besonders deutlich in den aktuellen Angriffen im Nahen Osten. Dieser Krieg ist nicht nur ein Ringen um geopolitische Macht, das auf der jahrzehntelangen Feindschaft zwischen den USA, Israel und dem Iran beruht, sondern folgt auch einer bestimmten Staatslogik.
Es geht dabei um Einfluss, Kontrolle und die Neuordnung des Nahen Ostens. Gleichzeitig geraten alternative gesellschaftliche Modelle unter Druck. Demokratische Lebensformen wie Projekte der autonomen Selbstverwaltung, die sich bewusst von autoritären, patriarchalen und kapitalistischen Ideologien abgrenzen, werden angegriffen.
Durch diese Staatslogik werden kommunale und basisdemokratische Strukturen geschwächt oder zerstört, während zentrale gesellschaftliche Bereiche wie Wirtschaft, Bildung, Gesundheit und Sicherheit stärker zentralisiert und monopolisiert werden. Frauen, die das Rückgrat der Gesellschaft sind, nehmen daher beim Aufbau einer demokratischen Gesellschaft eine zentrale Rolle ein.
Dass Kriege vor allem auf den Schultern der Zivilbevölkerung ausgetragen werden, ist kein Geheimnis. Besonders Frauen und Kinder gehören zu denjenigen, die am häufigsten Gewalt, Vertreibung und die sozialen Folgen von Krieg erfahren.
Die KJK appelliert daher an Frauen, sich über Grenzen hinweg zu organisieren und solidarisch zu handeln. Die zunehmenden Angriffe auf Frauenrechte weltweit seien eng mit der Krise des patriarchal-kapitalistischen Systems verbunden.
Von sexualisierter Gewalt in den USA über Massenvergewaltigungen in Asien bis hin zu Feminiziden in Lateinamerika oder der Versklavung von Frauen durch bewaffnete Milizen in Afrika und im Nahen Osten – all diese Entwicklungen müssten als Ausdruck desselben globalen Systems verstanden werden.

Abdullah Öcalan

In einer Grußbotschaft zum 8, März betont Abullah Öcalan, dass die Befreiung der Frauen die wichtigste gesellschaftliche Frage unserer Zeit ist. Eine demokratische und sozialistische Gesellschaft könne nur entstehen, wenn Frauen frei, gleichberechtigt und selbstbestimmt leben. Deshalb müsse die Frauenrevolution an erster Stelle stehen und als Grundlage für die Lösung aller anderen gesellschaftlichen Probleme verstanden werden.
Zugleich weist er darauf hin, dass bereits theoretische Ansätze wie die demokratische Moderne und Jineolojî entwickelt wurden, um Frauenbefreiung zu denken. Nun gehe es jedoch darum, diese Ideen auch praktisch umzusetzen und eine entsprechende Gesellschaft aufzubauen.
Frauen haben historisch eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Gesellschaft gespielt. Durch ihre gemeinschaftsbildende und aufbauende Rolle sei menschliches Zusammenleben überhaupt erst möglich geworden. Um eine freie Zukunft zu schaffen, müsse jedoch auch verstanden werden, wie die Unterdrückung und Versklavung von Frauen historisch entstanden ist.

YPJ

Auch die YPJ betonen heute zum 8. März die historische Bedeutung des Frauenwiderstands und bekräftigen ihre Entschlossenheit, die Errungenschaften der Revolution in Rojava gegen Angriffe und Bedrohungen zu verteidigen.
In dem neuen Integrationsabkommen sind die Rechte der Frauen und die weitere Umsetzung ihrer Errungenschaften noch nicht festgeschrieben.
Daher müssen wir weiterhin, Schritt für Schritt, um die Details des Abkommens und die Gesetze der syrischen Verfassung kämpfen und verhandeln.
Wir kämpfen dabei um die Festschreibung der Frauenrechte wie den Erhalt des Ko-Vorsitzes, Jineoliji als anerkannte Wissenschaft der Frau, die Aufnahme der YPJ in die syrische Armee sowie die Anerkennung der Kurdischen Sprache im Unterricht. Fraueneinrichtungen, wie Frauenhäuser, Fraueninstitutionen, Frauengerichte und Räte müssen weiterhin beständig finanziert werden.
Ohne eine selbstständige Organisierung der Frauen kann es keine Verbesserung der Lebensbedingungen und der Frauenrechte geben.

Medya


In den in den Medya-Verteidigungsgebieten feiert die Frauenguerilla den Internationalen Frauenkampftag zum 8. März. In Erinnerung an den Frauenbefreiungskampf werden Lieder gesungen, Parolen gerufen und Govend getanzt. Dabei betonen sie die Bedeutung von Selbstverteidigung und Organisierung.
Außerdem wird den gefallenen Kämpferinnen des Freiheitskampfes Deniz, Sîdar, Şîlan, Siyajîn, Arîn und Çiyajîn gedenkt. Sie haben „die Samen der Freiheit in diese Erde gesät“, und tragen mit ihrem Vermächtnis den Kampf für ein freies und gleichberechtigtes Leben weiter.


Qamishlo

Auch in Qamishlo in einer Sporthalle teffen sich heute Frauen um gemeinsam zum 8 März zu protestieren.
Außerdem waren die Familien anwesend, dessen Kinder und Verwandte immer noch vermisst oder im Gefängnis festgehalten werden.
Wir sehen entschlossene Frauen, die wissen, das die Angriffe und die Kämpfe um Freiheit und Demokratie noch längst nicht vorüber sind. Von dieser Entschlossenheit werden auch die Familienmitglieder der Vermissten und Gefangenen getragen, die mit goßer Trauer und Wut heute kämpfen. Weinende Mütter halten Transparente mit Aufschriften wie „Wir fordern unsere Gefallenen und Vermissten“, oder „Wir wollen unsere Kinder zurück“.

Die Stimmung ist geprägt von dem Schmerz und dem Verlust der letzten Wochen.
Seit den Angriffen der syrischen Übergangsregierung werden 1070 Gefangene in syrischen Gefängnissen gehalten, darunter sowohl Zivilpersonen als auch Kämpfer:innen.
Angeklagt für die schrecklichen Gewalttaten, sowie Tötungen, Misshandlungen von Leichnamen, Massaker sowie Plünderungen und Raub wird die Syrische Übergangsregierung, sowie unterstützende türkische Milizen.

Familienrat Kobanê

Auch der Familienrat in Kobanê fordert die Aufklärung über Vermisste und die Freilassung von Gefangenen.
Sie sagen, dass es seit den Angriffen vom 6. Januar vor allem zu Tötungen aufgrund kultureller, politischer oder religiöser Zugehörigkeit komme. Die Angehörigen kritisieren, dass es trotz des Waffenstillstands- und Integrationsabkommens zwischen den Demokratischen Kräften Syriens (SDF) und der syrischen Übergangsregierung weiterhin zu Übergriffen kommt.
Sie rufen internationale Kräfte dazu auf, weiterhin Druck auf die syrische Übergangsregierung auszuüben.

In einem Gespräch mit einer Delegation der Familienangehörigen der Vermissten und Gefangenen, berichtet Mazloum Abdi, dass intensiv an einer Lösung des Problems gearbeitet werde. Die Rückkehr der Gefangenen ist an einen zeiltich abgestimmten Plan geknüpft.

Abdi erklärte:
„Die Bemühungen werden mit hoher Intensität fortgesetzt. In der kommenden Zeit sollen Gefangene zu ihren Familien zurückkehren“.
Bereits in den vergangenen Tagen seien bereits mehrere Gefangene auf beiden Seiten freigelassen worden. Diese Schritte seien Teil praktischer Maßnahmen zur Lösung der Gefangenenfrage.

Und damit wünschen wir alle Frauen einen kämpferischen Kampftag und revolutionäre Grüße aus Rojava

Jin Jiyan Azadi

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