Nachricht aus Rojava – 18.03.2026

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Liebe Freundinnen, Schwestern und Genossinnen,

wir melden uns hier mit einem neuen Update aus Rojava, dem Herzen der Frauenrevolution, wo das Leben verteidigt wird.

Frauenkonferenz

Am Dienstag fand unter der Leitung von Kongra Star in Rojava eine Konferenz von verschiedenen Frauenorganisationen statt. Die Konferenz wurde in Qamishlo unter dem Motto „Lasst uns gemeinsam für die Verankerung der Frauenrechte in der syrischen Verfassung kämpfen“ eröffnet. 400 Frauen aus allen Fraueninstitutionen und -organisationen Rojavas nahmen daran Teil, zum Beispiel der YPJ, der Ezidischen Frauenorganisation, der PYD, der syrischen Zukunftspartei, Mala Jin oder der Jineoloji.

Die Konferenz schloss mit einer Erklärung, in der die politische und militärische Lage, rechtliche Fragen und die Verankerung der Frauenrechte in den Gesetzen sowie Fragen der demokratischen Integration erörtert wurden. In der Erklärung forderten sie, dass die Errungenschaften der Frauenrevolution in Nord- und Ostsyrien sowie in ganz Syrien als Grundrechte in der Verfassung anerkannt und verankert werden.

Sie schlossen die Erklärung mit den Worten: „Die Errungenschaften der Frauenrevolution zu bewahren und in der Verfassung zu verankern, ist eine Verpflichtung, die uns ewig begleiten wird. Wir werden unseren organisierten Kampf fortsetzen, um sicherzustellen, dass diese Strategien in eine rechtliche Realität umgesetzt werden, die die Rechte aller syrischen Frauen schützt, ihre Würde wahrt und ihnen eine führende Rolle bei der Gestaltung des umfassenden demokratischen Wandels in Syrien sichert.“

Am Ende wurde noch lautstark Jin, Jiyan, Azadigerufen und damit die Philosophie der Frauenrevolution bekräftigt.

Vorbereitung Newroz

Seit ein paar Tagen laufen die Vorbereitungen für Newroz, das kurdische Neujahrsfest, das am 21. März gefeiert wird.

In Kurdistan wird mit Newroz nicht nur die Ankunft des Frühlings, sondern auch der Beginn des anhaltenden Widerstands des kurdischen Volkes verbunden. Newroz als Symbol des Widerstands erinnert an die Befreiung der Kurd:innen vom grausamen Herrscher Dehok.

Der Legende nach, kam Dehok durch Gewalt an die Macht und ließ täglich zwei junge Menschen töten, um Schlangen zu füttern, die ihm aus den Schultern gewachsen waren. Einige Wächter retteten jedoch heimlich Menschenleben, indem sie die Opfer teilweise ersetzten. Viele Menschen flohen in die Berge, wo sich erste Gemeinschaften bildeten.

Der Schmied Kawa organisierte schließlich den Widerstand gegen Dehok und führte das Volk zur Befreiung. Mit dem Sturz des Tyrannen endeten Leid und Unterdrückung. Aus Freude über diesen Sieg entstand das Newrozfest, das bis heute gefeiert wird.

Feuer spielt dabei eine zentrale Rolle: Es symbolisiert sowohl Kawas Aufstand als auch den Sieg über die Tyrannei. Bis heute stehen die Newroz-Feuer für den Freiheitswillen und die Hoffnung des kurdischen Volkes auf Unabhängigkeit.

In Vorbereitung auf das Fest am Samstag werden gerade jeden Tag an verschiedenen Orten Rojavas kleinere Feuer entzündet, um die getanzt wird.

Am Montag hat die syrische Übergangsregierung Newroz zum syrischen Nationalfeiertag erklärt. Das war ein historischer Schritt, da Newroz-Feierlichkeiten unter dem vorherigen Regime verboten und kriminalisiert wurden. Dass Newroz offiziell als Feiertag anerkannt wird, war eine zentrale Forderung der Kurd:innen und ist ein positiver Schritt in der Anerkennung der Existenz des kurdischen Volkes in Syrien. In Damaskus wurden im Vorfeld des Newroz Festes festliche Banner aufgehangen – allerdings nur auf arabisch, was die fehlende Bereitschaft der Syrischen Übergangsregierung zeigt, auch die kurische Sprache als Nationalsprache anzuerkennen.

Überschwemmungen

Was die Newroz-Feierlichkeiten zur Zeit etwas erschweren, ist die Wetterlage in Rojava. Heftige Regenfälle haben in mehreren Regionen Überschwemmungen und Sturzfluten ausgelöst. In der Efrîn-Region und im Umland von Qamişlo kamen dabei zwei Kinder ums Leben. In Hesekê wurden rund 200 Häuser durch Überschwemmungen beschädigt.

Dabei handelt es sich um eine der schwersten Überflutungen seit Jahren, die durch starke Regenfälle ausgelöst wurde.

Auch die Brücke am innerkurdischen Grenzübergang Sêmalka zwischen West- und Südkurdistan, also Rojava und Başur, ist nach einem starken Anstieg des Wasserstands im Tigris vorübergehend unbenutzbar geworden. Bis mindestens zum Ende des Ramadanfestes soll der Grenzübergang noch geschlossen bleiben.

Situation in Syrien

In verschiedenen Regionen Syriens wird derzeit wieder der Protest lauter gegen die syrische Übergangspolitik. Die Probleme, mit denen die Menschen in den Regionen zu kämpfen haben, sind häufig ausstehende Löhne, steigende Preise und fehlende Versorgung mit Strom, Gas und Lebensmitteln.

In Damaskus hat die syrische Übergangsregierung diese Woche den Verkauf von Alkohol eingeschränkt bzw. den Ausschank von Alkohol in Restaurants und Nachtclubs vollständig verboten. Auch der Verkauf im Handel wurde größtenteils verboten, lediglich in einigen mehrheitlich christlichen Vierteln ist es noch möglich. Begründet wurde die Entscheidung damit, die „öffentliche Moral“ bewahren zu wollen – es zeigt jedoch die islamistische Mentalität der Regierung.

Damit verabschieden wir uns aus Rojava und wünschen ein frohes Newrozfest, an alle, die feiern.

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