Nachricht aus Rojava – 22.03.2026

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Liebe Freund:innen,

wir melden uns mit den täglichen Nachrichten aus Rojava, dem Herzen der Frauenrevolution.

In den letzten Tagen haben wir viel erlebt. Die ganze Gesellschaft ist auf den Beinen und in Vorbereitung der Festlichkeiten. Dieses Jahr finden das Fastenbrechen Eid al-Fitr und Newroz, das Fest des Frühlings und des Widerstandes, zur selben Zeit statt.

Fastenbrechen

Für die Vorbereitungen für das große, mehrtägige Fest des Fastenbrechens, Eid al-Fitr, haben Familien ihre Häuser geputzt, es wurden Kekse mit Nüssen und Datteln gebacken, Süßigkeiten gekauft, Essen wird vorbereitet, um die ganze Familie und alle Gäste zu empfangen.
Der Beginn des Eid al-Fitr beginnt mit der ersten Sichtung des Hilal, der winzigen Mondsichel am Abend nach Neumond.
Am ersten Morgen nach dem Fastenbrechen ist es Tradition, dass bei Sonnenaufgang die Gesellschaft zum Şehidlik, der Gedenk- und Grabstätte der gefallenen Märtyrer:innen, fährt. Die Familien der Gefallenen verteilen dort Süßigkeiten und gedenken mit den Besuchern den Gefallenen. Für die Familien, deren Angehörige Anfang dieses Jahres durch die Angriffe der syrischen Übergangsregierung und des türkischen Staates starben, ist das Zusammenkommen wichtig, um zu trauern sowie die Ideen über ein befreites, demokratisches Leben der Gefallenen fortzuführen.
Nach dem Besuch des Şehidliks ist es Tradition, dass die Kinder von Haustür zu Haustür wandern und nach Süßigkeiten fragen. Mit gefüllten Taschen kehren sie wieder zurück nach Hause, wo schon die ersten Gäste eingetroffen sind.
Die Tage des Fastenbrechens sind nämlich auch die Tage, in denen die Gesellschaft sich gegenseitig besucht. Es wird gemeinsam Kaffee oder Tee getrunken, Süßigkeiten werden verteilt und vor allem wird über die jüngsten Ereignisse diskutiert. Einige Familien haben über die Spaltung der arabischen und kurdischen Bevölkerung als Strategie der imperialistischen Mächte berichtet, andere haben von ihrer Arbeit, der Wichtigkeit der Anerkennung der kurdischen Sprache oder vom Freitagsgebet in der Moschee erzählt.

Newroz

Zeitgleich fanden in den letzten Tagen die Neujahrsvorbereitungen statt. An jedem Abend wurde in einem anderen Stadtteil ein Feuer entzündet, Menschen sind zusammengekommen und haben getanzt.
Newroz wird in ganz Kurdistan sowie im Iran, Afghanistan, Aserbaidschan, Tadschikistan und Belutschistan gefeiert. Am 21.03. ist die gesamte Bevölkerung erneut zusammengekommen und haben ein Feuer als Symbol der Energie entzündet.
Tausende von Menschen haben in den Städten, Dörfern, Bergen und am Fluss zusammen getanzt, gesungen und Musik gemacht. Die Tänze sind gemeinschaftliche Kriestänze, bei denen sich alle an die Hände nehmen und einen gemeinsamen Rhythmus durch den Körper der anderen spüren. Die Menschen tragen bunte Kleider aus verschiedenen Mustern und Stoffen oder einen traditionellen Gurila-Anzug. Der Frühling erblüht nicht nur in der Natur, sondern auch im Geiste der Menschen. Tiere kommen aus ihrem Winterschlaf und so auch die Gesellschaft.
Kulturelle Bräuche und Rituale sind für ein gemeinsames Leben von hoher Bedeutung. Das Zusammenkommen wird geleitet von einer gemeinsamen Basis und Geschichte.
Gerade in Zeiten des Krieges sind die Feste, das Zusammenkommen und der Wiederstandes die Momente in denen die Bevölkerung Engergie schöpft.

Anlässlich Newroz rufen die Frauen der Bevölkerung dazu auf, an der kurdischen Identität festzuhalten. Das Fest stellt ein Symbol für Freiheit und Identität dar und trägt gleichzeitig eine kulturelle Dimension und ein über Generationen weitergegebenes historisches Erbe in sich.

In Ahmed in Nordkurdistan wurden die Worte von Abdullah Öcalan verlesen. Er wendet sich an die Bevölkerung und ruft alle zum aktiven Handeln auf.
„Es liegt in unserer Hand, dieses Jahr für alle Völker des Nahen Ostens zu einem wirklichen Jahr der Freiheit zu machen.“

Angriffe der Syrischen Übergangsregierung und des türkischen Staates

Als wir vom Newroz-Fest zurückgekehrt sind, erreichten uns schreckliche Nachrichten. Nach den Newrozfeierlichkeiten sind die Menschen wieder zurück nach Hause gefahren. Dabei kam es zu schweren Angriffen von Gruppen der Übergangsregierung und Unterstützer:innen des türkischen Staates.
Diese Gruppen haben auf der Straße zwischen Afrin und Aleppo mobile Kontrollpunkte errichtet und fragen die zurückkommenden Anwohner, ob sie Kurden seien und greifen diese an.
Sie werden aus ihren Fahrzeugen gezerrt und ihre Fahrzeuge werden zerstört.
Die Gruppen nehmen ihnen kurdische Flaggen ab und verbrennen sie, zerren sie aus den Autos und schlagen sie. Ein Motorrad eines Kurden wurde in Brand gesteckt.
In Afrin, Tal Rifaat und Al Bab kommt es zu besonders schweren Verfolgungensjagten auf Kurden, die Newroz feiern und die kurdische Flagge bei sich haben.
In dem Zuge macheten sich weitere Konvois der syrischen Übergangsregierung und des türkischen Staates auf den Weg nach Sheikh Maqsoud, um ihre Gräueltaten zu verrichten.
Als Vorwand nannten die angreifenden Gruppen, dass während der Newrozfeierlichkeiten in Kobanê eine Person die syrische Flagge vom Fahnenmast heruntergeholt habe.

Die Sicherheitskräfte des Kantons Dschazira verurteilten die Übergriffe gegen kurdische Bevölkerung in Afrin und Aleppo und rufen dazu auf, sich nicht von den Angriffen provozieren zu lassen.
Noch am selben Abend gingen in Derik, Heseke und Qamişlo Hunderte Menschen auf die Straße, um gegen die Angriffe auf die kurdische Bevölkerung zu protestieren. Sie riefen alle Seiten zur Zurückhaltung angesichts der Provokationen auf.

In den Angriffen, gerade nach den Newrozfeierlichkeiten, sehen wir einmal mehr, wie sehr der türkische Staat und die syrische Übergangsregierung den Widerstandsgeist und den Glauben an ein freies Leben in Frieden in Syrien brechen wollen. Dazu werden die Strategien der Einschüchterung und die gegenseitige Hetze gegen die arabischen und kurdischen Bevölkerungsgruppen angewandt. Diese Strategien dienen der Destabilisierung der Bevölkerung und eines demokratischen Zusammenlebens.

Freilassung weiterer Gefangener

Während der letzten Tage wurden im Zuge des Gefangenenaustausches 300 Gefangene der Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) in Hesekê freigelassen.
Sie wurden am Donnerstagabend im Norden der Stadt von Angehörigen sowie Vertreter:innen der Selbstverwaltung empfangen.
Die Freigelassenen stammen aus verschiedenen Regionen Nord- und Ostsyriens, darunter Hesekê, Qamişlo, Kobanê, Efrîn, Deir ez-Zor, Şedadê und Aleppo. Sie waren im Januar während der Offensive gegen die Selbstverwaltung von Truppen und Milizen der Übergangsregierung verschleppt worden. Jede freigelassene Person ist eine große Errungenschaft und hat eine große Bedeutung für die Familien, die teilweise schon seit Jahren in Ungewissheit, Angst und Trauer leben.

Angriffe der iranischen Revolutionsgarde

In den letzten Tagen hat das iranische Regime vermehrt Camps und zivile Einrichtungen in Başur, Südkurdistan, angegriffen.
Am Donnerstagabend griff die iranische Revolutionsgarde mit acht Drohnen das Camp Sûrdaş in der Nähe von Dukan bei Silêmanî an. An mehreren Stellen brachen Brände aus. In dem Camp leben Familienangehörige von Kämpfer:innen der Komala-Partei, dem Lager ostkurdischer Parteien. Bisher gibt es keine Angaben zum Ausmaß von Schäden oder Verletzten.
Die Allianz der politischen Kräfte Ostkurdistans verurteilt diese Angriffe scharf.
Im Zuge dessen wurde eine dringende Erklärung an den Generalsekretär und den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, die Regierung der Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten, die irakische Zentralregierung sowie internationale Menschenrechtsorganisationen gerichtet. In der Erklärung wird darauf hingewiesen, dass die Islamische Republik Iran in den letzten 21 Tagen ihre systematischen Angriffe fortgesetzt hat, indem sie wiederholt die nationale Souveränität des Irak sowie internationales Recht verletzt hat. Das Regime hat zahlreiche Raketen- und Drohnenangriffe durchgeführt und dabei Geflüchtetenlager sowie Einrichtungen kurdischer Parteien zerstört. Daher ist es wichtig die Angriffe zu thematisieren und internationalen Druck aufzubauen.
Wir wissen dass die kurdischen Regionen und Organisierung im Mittleren Osten eine zentrale Rolle in dem Krieg im Mittleren Osten spielen. Die Strategie des Friedens, der diplomatischen Lösungsfindung und der Deeskalation der Kurdischen Bevölkerung müss weiterhin verteidigt werden.


Und damit senden wir euch Revolutionäre Grüße aus Rojava.

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