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Liebe Freund:innen,
wir grüßen euch aus Rojava, dem Herzen der Frauenrevolution, mit den aktuellen Nachrichten aus der Gesellschaft.
In den letzten Tagen hat es sehr viel geregnet und Gewitter sind über die Städte gezogen. Sie sind Teil vieler Gespräche. Der Regen hat vor allem zu Überschwemmungen in Afrin und Qamishlo geführt. Die Menschen freuen sich über den Regen, jedoch bedeuten Überschwemmungen in den Städten und in den Camps, in denen viele vertriebene Menschen leben, erschwerte Lebensbedingungen. Alte Lehmhäuser und Brunnen werden ebenfalls vom Regen aufgeweicht und weggespült.
Gespräche in Damaskus
Die Gespräche in Damaskus vom 15.04.2026 zwischen Vertreter:innen der demokratischen Selbstverwaltung und der syrischen Übergangsregierung sind zunächst positiv verlaufen. Im Zentrum der Gespräche stand die Umsetzung des Integrationsabkommens vom 29.01.2026, welches eine Integration der demokratischen Selbstverwaltung in den syrischen Staat vorsieht.
In den Gesprächen wurde deutlich, dass Mazlum Abdi, der Vorsitzende der Syrischen Demokratischen Kräfte, eine entscheidende Rolle in dem Integrationsprozess einnehmen soll. Er soll Funktionen etwa auf Ebene der Vize-Staatsführung oder in koordinierenden Rollen übernehmen. Des Weiteren wurde konkreter über die Eingliederung der Institutionen sowie die Organisation von Regionen, Kommunen und Positionen der Gouverneur:innen und Bürgermeister:innen gesprochen. Es wurde ebenfalls über die Rolle der Frauen und grundlegende gesellschaftliche Modelle gesprochen. Neben vielen fortgeschrittenen Diskussionen bleiben sich die Akteure weiterhin uneinig bei der Eingliederung der Frauenverteidigungseinheiten (YPJ), der demokratischen Selbstverwaltung sowie bei Regelungen im Bildungssystem und der kurdischen Sprache.
Neben wirtschaftlichen Verhandlungen zu Ölressourcen, dem Flughafen in Qamishlo und den Grenzübergängen wird momentan die Öffnung des Grenzübergangs Qamishlo–Nisêbîn geplant. Auch die Rückkehr der vertriebenen Menschen aus Afrin und Serêkaniyê wird weiterhin geplant. Die Verhandlungen zur Freilassung der Gefangenen sind weiterhin konfliktreich und haben noch keine klaren Lösungen ergeben.
Eva Maria Michelmann und Ahmed Polat
Am Montag hat uns die Nachricht erreicht, dass die Journalist:innen Eva Maria Michelmann und Ahmed Polat vermutlich noch am Leben sind und sich momentan im Gefängnis in Aleppo befinden. Laut der türkischsprachigen Nachrichtenagentur ETHA befinden sie sich in einem Gefängnis in Aleppo unter Kontrolle des syrischen Staates.
Seit ihrer Entführung während der Angriffe der syrischen Regierungsmilizen gegen die demokratische Selbstverwaltung in Nordostsyrien im Januar hatte es keine Spur von ihnen gegeben. Ein SDF-Kämpfer, der kürzlich bei einem Gefangenenaustausch freigekommen ist, habe Ahmed Polat im Gefängnis gesehen. Zu Eva Maria Michelmann gibt es keine direkten Augenzeugen, allerdings berichten ehemalige Gefangene von einer „deutschen Journalistin“ im Frauentrakt, bei der es sich mutmaßlich um Michelmann handelt. Die Zeugenaussagen liegen dem Anwalt der verschleppten Journalist:innen in Deutschland als Video vor. Die Berichte deuten auf Folter und Misshandlung im Gefängnis in Aleppo hin.
WDR Kampagne
Am 21.04.2026 hat Women Defend Rojava eine Social-Media-Kampagne für ein freies und demokratisches Leben sowie zur Verteidigung der Errungenschaften der Frauenrevolution in Rojava ausgerufen.
Seit Beginn des Angriffskrieges unter Führung der syrischen Übergangsregierung und des türkischen Staates am 6. Januar werden Frauen und ihre Einrichtungen systematisch angegriffen. Auch im Prozess des Abkommens sind Frauenrechte und der Erhalt der Fraueninstitutionen bisher nicht klar benannt. Die Folgen des Abkommens für das Leben der Frauen sind weiterhin ungewiss. Doch es ist bekannt, dass die Errungenschaften der Frauenrevolution nach über 15 Jahren Kampf nicht aufgegeben werden. Der Widerstand der Frauen in Rojava ist entscheidend.
Im Rahmen der Kampagne wird jede Woche ein Bereich der Frauenorganisationen vorgestellt und dazu Artikel veröffentlicht. In Videos berichten Frauen aus Rojava über den aktuellen Stand der Verhandlungen zum Integrationsabkommen. Sie erzählen, was sie in den letzten 15 Jahren aufgebaut haben und was nun konkret verteidigt werden muss.
Anstieg an Gewalttaten
Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte dokumentiert einen Anstieg der Gewaltopfer im April. In einer bemerkenswerten Eskalation von Liquidierungsaktionen und Vergeltungsangriffen meldete sie die Tötung von 13 Zivilist:innen, darunter ein Mädchen und zwei Frauen. Dies geschieht inmitten der Befürchtung zunehmender sektiererischer Angriffe und fehlender Rechenschaftspflicht.
Initiativen des Syrischen Frauenrats
Der Syrische Frauenrat startet Initiativen zur Stärkung von Frauen in Geflüchtetenunterkünften in Suweida. Im Rahmen einer interaktiven Aktionswoche zum Weltfrauentag besuchte der Syrische Frauenrat Unterkünfte in Suweida, um die Lage und den Bedarf vertriebener Frauen unter den äußerst schwierigen humanitären und wirtschaftlichen Bedingungen zu ermitteln.
Nun startet das Projekt, und Frauen des Syrischen Frauenrats geben Schulungen in den Unterkünften. Asala Aslan erklärte, dass diese Kurse den Auftakt zu einer Reihe von Schulungsprogrammen bilden, die der Rat künftig auf verschiedene Frauenhäuser ausweiten möchte. Sie wies darauf hin, dass die zukünftigen Pläne die Einführung verschiedener Schulungsbereiche sowie die Fortführung von Sensibilisierungsworkshops und psychologischen Unterstützungsangeboten umfassen, um Frauen bei der Bewältigung der psychischen und sozialen Folgen der Krise zu helfen.
Kongra Star – Rolle der Frauen im Integrationsprozess
Bildung ist eine wichtige Ressource der Selbstverteidigung der Frauen. Daher veranstaltete Kongra Star zwei separate Treffen in den Städten Abira und Kîşk in der ländlichen Region Jêl Agha, um den Integrationsmechanismus zwischen der Autonomen Verwaltung und der Übergangsregierung zu erläutern und die Rolle der Frauen in diesem Prozess hervorzuheben. Frauen müssen an der Gewährleistung der Rechte von Frauen im neuen Syrien mitwirken. Gleichzeitig kündigte die Konferenz ihre Absicht an, Veranstaltungen zu organisieren, die die rechtliche und verfassungsrechtliche Anerkennung der Frauenschutzeinheiten (YPJ) fordern sollen.
Ausbeutung der Ressourcen in Kurdistan
In Kurdistan nehmen Eingriffe in Natur und Lebensräume seit Jahren zu. Umweltinitiativen kritisieren eine Entwicklung, die Ressourcen ausbeutet, Lebensgrundlagen zerstört und zur Verdrängung der Bevölkerung führt. Bereits seit den 1990er Jahren wurden im Zuge des Krieges Dörfer geräumt, Wälder zerstört und Regionen militarisiert.
In den letzten Jahren hat sich dieser Prozess verstärkt. Durch Erdölprojekte, Staudämme, Bergbau und Energieanlagen geraten immer mehr Gebiete unter Druck. Kritiker:innen sehen darin den Versuch, Kurdistan zu einem Rohstoff- und Energiegebiet auszubauen. Besonders seit 2023 werden in vielen Provinzen neue Projekte vorangetrieben, begleitet von Protesten und Sorgen um ökologische sowie kulturelle Schäden.
Die Proteste der Gesellschaft halten an – doch auch die Unterstützung internationaler Kräfte ist gefordert.
Und damit senden wir revolutionäre Grüße aus Rojava.

