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Liebe Freund:innen,
wir melden uns mit den aktuellen Nachrichten aus Rojava, dem Herzen der Frauenrevolution.
In Rojava wird seit 2012, im Zuge des Widerstands des Arabischen Frühlings, eine Revolution aufgebaut und gelebt. Die Revolution basiert auf der Idee, dass alle Menschen und Bevölkerungsgruppen in Freiheit und Demokratie zusammenleben können. Das Gesellschaftssystem, das Abdullah Öcalan, der Vordenker der Freiheitsbewegung in Kurdistan, entwickelt hat, ist der Demokratische Konföderalismus. Dieses Gesellschaftssystem basiert auf der basisdemokratischen Organisierung der Gesellschaft in Kommunen, Räten, Komitees und Fraueninstitutionen. Die Befreiung der Frau ist in diesem Konzept die Voraussetzung für ein freies Leben der gesamten Gesellschaft.
Drei für tot erklärte YPJ-Kämpferinnen unter freigelassenen Geiseln
Am Montag erreichten uns erfreuliche Nachrichten.
Unter den 28 Kämpferinnen der Frauenverteidigungseinheiten (YPJ) und Asayîşa Jin, die im Rahmen des jüngsten Gefangenenaustauschs zwischen der syrischen Übergangsregierung und der Selbstverwaltung Nordostsyriens freigelassen wurden, befinden sich drei YPJ-Kämpferinnen, die zuvor für gefallen erklärt worden waren.
Hêzil Arjîn (Şêrîn Izedîn), Awaz Çiya (Melek Ebdulqadir Bozan) und Solîn Rojhilat (Kajîn Seîd Ezîz) sind am Leben. Die YPJ hatten den Tod der drei Kämpferinnen im März beziehungsweise April öffentlich bekannt gegeben. In Qamişlo, Dêrik und Kobanê waren daraufhin Abschieds- und Gedenkzeremonien für die Frauen abgehalten worden.
Diese Nachricht ist eine Freude für alle. Gleichzeitig zeigt sie die extremen Bedingungen von Leben und Tod sowie die Auswirkungen der Ungewissheit auf Familien und Freunde. Diese Form psychologischer Kriegsführung ist ein Angriff auf die Gesellschaft, den wir im Zusammenhang mit den Geiselnahmen und Angriffen im Januar betrachten müssen.
Alarmierender Anstieg der Zahl getöteter Frauen in Syrien im Mai
Im vergangenen Monat Mai wurden 287 Menschen in verschiedenen Regionen Syriens getötet. Dies geschah vor dem Hintergrund von Sicherheitschaos und zunehmender Gewalt im Land, nachdem die Dschihadisten von Hay’at Tahrir al-Sham (HTS) die Macht in Damaskus übernommen hatten. Darunter befanden sich 15 Frauen, die durch unterschiedliche Formen von Gewalt ums Leben kamen. Dies gilt als weiterer Hinweis auf die anhaltende Verschlechterung der Sicherheitslage und die zunehmenden Gefahren für die Zivilbevölkerung, insbesondere für Frauen.
In weniger als einer Woche wurden in der Türkei sieben Frauen getötet
In den letzten sechs Tagen wurden vier Frauen in verschiedenen Städten der Türkei und Nordkurdistans von Männern getötet. Drei weitere wurden bei Übergriffen schwer verletzt, drei weitere Frauen starben unter ungeklärten Umständen.
Die Gewalt gegen Frauen nimmt weiter zu. Seit Beginn des Opferfestes (Eid al-Adha) wurden vier Frauen getötet, drei weitere schwer verletzt und drei Frauen starben unter verdächtigen Umständen.
Gemeinsam müssen wir dieser Gewalt etwas entgegen setzten und uns weltweit vernetzen. Dazu müssen wir uns selber gut kennen, sowie die eigene Geschichte. Wenn wir uns kennen können wir uns auch mit den Frauen der ganzen Welt verbinden und die Parallelen der Unterdrückung sehen.
Friedensprozess
In den Verhandlungen und weiteren Schritten im Friedensprozess sowie hinsichtlich der Freilassung von Abdullah Öcalan, dem Vordenker der Freiheitsbewegung in Kurdistan, zeigt sich der türkische Staat weiterhin zurückhaltend und abwartend und verfolgt damit eine Strategie der Verzögerung. Delegierte der DEM-Partei, der Partei für Gleichberechtigung und Demokratie der Völker, konnten am 24. erstmals seit März die Gespräche mit Abdullah Öcalan fortführen.
Die Philosophie von Vordenker Öcalan und seine Kritik an der „formalen Demokratie“ der Türkei
Wahida Sayed Ahmed traf Abdullah Öcalan in den 1990er Jahren persönlich. Heute erläutert sie den Einfluss seiner Gedanken auf die Lebensrealität von Frauen.
„Lange Zeit lebten Frauen unter der Autorität von Vater und Bruder.
Mit einer tiefgehenden Analyse der Geschichte des Patriarchats macht Abdullah Öcalan die Unterdrückung der Frauen zu einem zentralen Kampf im Kampf um die Freiheit der Menschen.
Abdullah Öcalan beschreibt das Wirken einer patriarchalen Mentalität, die sich in der Logik und Struktur des Staates, wie etwa Macht, Grenzen, Unterdrückung und Isolierung, zeigt. In der Vorreiterinnenschaft der Frauen sieht er die Befreiung von dieser Mentalität und eröffnet Frauen neue Horizonte der Freiheit. Frauen stützten sich auf seine Philosophie, um ihre Gesellschaft in die Freiheit zu führen.“
Wahida Sayed Ahmed ist überzeugt, dass der Aufruf Öcalans zu Frieden und einer demokratischen Gesellschaft eine große Bedeutung für das kurdische Volk und die mit ihm zusammenlebenden Völker hat.
Im Gegensatz dazu sagt sie:
„Der türkische Staat hat in dieser Hinsicht bis heute keine rechtlichen Schritte unternommen. Wir Kurden befürworten friedliche und diplomatische Lösungen am Tisch des demokratischen Dialogs in der Kurdenfrage und unterstützen die Beendigung des Blutvergießens auf beiden Seiten, denn wir haben viele Märtyrer geopfert.“
Der Aufruf ist ein Schritt hin zum Aufbau einer demokratischen Gesellschaft, in der alle Völker ihre Rechte und Freiheiten ohne Ausgrenzung genießen können. Das Zögern des türkischen Staates bei praktischen Friedensschritten sei auf seine demokratiefeindliche und faschistische Mentalität zurückzuführen.
Nach außen präsentiert sich der türkische Staat als demokratisch, doch die Realität ist das Gegenteil. Würde der türkische Staat tatsächlich für den Frieden eintreten, hätte er längst rechtliche Schritte eingeleitet.
Sie ruft alle Völker dazu auf, sich am Friedensprozess zu beteiligen, damit alle Beteiligten ihre legitimen Rechte erlangen.
Angriffskrieg im Libanon und die Folgen für eine Gesellschaft
Das israelische Militär gab bekannt, eine neue Serie von Luftangriffen auf Stellungen der Hisbollah in Tyros und anderen Gebieten im Südlibanon durchgeführt zu haben.
Der Fernsehsender Channel 12 berichtete zudem über parallele politische Entwicklungen im Zusammenhang mit der militärischen Eskalation. Israel habe die USA um grünes Licht für eine Ausweitung der Operationen im Libanon auf Ziele in Beirut gebeten. Hintergrund sei die wachsende Überzeugung innerhalb der israelischen Sicherheitsbehörden, den Druck auf die Hisbollah erhöhen zu müssen.
Der brutale Angriffskrieg bedeutet für die Gesellschaft im Libanon große Unsicherheit, eine ständige Bedrohung des Lebens und weitere Traumata. Viele Menschen fliehen aus dem Süden und suchen Sicherheit.
Viele dieser Menschen sind syrische Flüchtlinge, die nach Syrien zurückkehren.
Ein Teil dieser Flüchtlinge gehört zu Familien, die nach den Ereignissen von 2011 aus Syrien vertrieben wurden, während andere das Land nach dem Sturz der Regierung von Baschar al-Assad verließen. Trotz der Sicherheitsrisiken haben sich viele von ihnen aus verschiedenen Gründen entschieden, im Südlibanon zu bleiben. Hauptgrund dafür ist der Bedarf an syrischen Arbeitskräften in den südlichen Gebieten, insbesondere in der Landwirtschaft und im Baugewerbe, sowie die vergleichsweise besseren Lebens-, Gesundheits- und Bildungsbedingungen im Vergleich zu einigen syrischen Regionen, die weiterhin unter Arbeitslosigkeit, fehlendem Wiederaufbau und den anhaltenden Folgen von Krieg und Vertreibung leiden.
Hochwasser des Euphrat überschwemmt Häuser und Ackerland
Letzte Woche kam es entlang des Euphrat zu heftigen Überschwemmungen in Deir ez-Zor und Raqqa.
Die Überschwemmung wurde durch den türkischen Staat verursacht, indem dieser die Schleusen des Euphrat ohne Ankündigung öffnete.
Tausende Familien mussten fliehen und ihre Häuser verlassen. Der steigende Wasserstand erzwang die Evakuierung mehrerer Gebiete, und fast 50 Wasserpumpstationen und Stromversorgungsanlagen fielen aus. Darüber hinaus stürzten drei große Erdbrücken in Deir ez-Zor und Umgebung ein und unterbrachen die Verbindungen zwischen dem östlichen und westlichen Ufer des Euphrat – den Regionen „Jazira“ und „Shamiya“.
Auch für die Landwirtschaft hat die Überschwemmung erhebliche Schäden hinterlassen und bedroht die Existenz der Menschen. Die Landwirte schätzten die anfänglichen Verluste auf Hunderttausende von Dollar. Grund dafür waren Schäden an Weizen- und Gemüsekulturen sowie der Ausfall von landwirtschaftlichen Motoren im Flussbett.
Dieser Vorfall zeigt die Macht, die die Türkei durch die Kontrolle der Schleusen besitzt, und in welchem menschenfeindlichen Sinne diese eingesetzt wird.
TAJÊ gedenkt der in Mossul verbrannten Ezidinnen
Die Bewegung der freien ezidischen Frauen (TAJÊ) hat der 19 Ezidinnen gedacht, die am 3. Juni 2016 von der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) in Mossul ermordet wurden. Zum zehnten Jahrestag dieses Verbrechens versammelten sich Aktivistinnen vor dem Sitz des Volksrats von Şengal und forderten Gerechtigkeit für die Opfer des Genozids an der ezidischen Gemeinschaft.
Die 19 Frauen gehörten zu den Tausenden Ezidinnen, die nach dem Völkermord in Şengal am 3. August 2014 vom IS verschleppt worden waren. Auf einem öffentlichen Platz im Zentrum von Mossul wurden sie in Eisenkäfigen bei lebendigem Leib verbrannt. Zuvor hatten sie sich geweigert, sich den IS-Kämpfern als Sexsklavinnen zu unterwerfen und ihrem Glauben abzuschwören. Die Hinrichtung fand vor den Augen Hunderter Menschen statt und wurde von der Terrormiliz gezielt als Mittel der Einschüchterung inszeniert.
Der Grund, warum besonders Frauen körperlich, aber auch psychisch angegriffen und ermordet werden, liegt darin, dass die patriarchale Mentalität keine friedliche und demokratische Gesellschaft akzeptiert und diese sogar auslöschen möchte. Da Frauen die Werte von Demokratie, Vielfalt und Freiheit verkörpern und Gesellschaft aktiv gestalten, sind sie der patriarchalen Mentalität ein Dorn im Auge und daher ein Angriffsziel.
Diesen Angriffen müssen wir international gedenken – ausgehend von unseren eigenen Regionen bis hin zu dem weltweiten System, das dahintersteht.
In diesem Sinne: Jin Jiyan Azadî!
Und revolutionäre Grüße aus Rojava

