Nachricht aus Rojava – 02.09.2026

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Liebe Freund:innen,

Die Zukunft der YPJ

Die Diskussionen über die Zukunft der Frauenschutz-Einheiten (YPJ) wurden fortgesetzt. Diskutiert wird der Vorschlag, die YPJ als spezialisierte Anti-Terror-Einheiten unter Beibehaltung ihrer Autonomie an das syrische Innenministerium anzubinden. Diese Gespräche dauern weiterhin an und es wurde noch keine endgültige Entscheidung getroffen. Die YPJ hatte in einer offiziellen Erklärung ihre Bereitschaft zur Diskussion über diesen Vorschlag deutlich gemacht, und betont, wie wichtig es ist, ihren durch jahrelangen Kampf errungenen besonderen Status, ihre Rolle und ihre Position zu bewahren.

Für das Recht auf Bildung in der Muttersprache

In dieser Woche gab es in Rojava zahlreiche Reaktionen auf die Entscheidung des syrischen Bildungsministeriums, den Unterricht in kurdischer Sprache auf drei bis vier Unterrichtsstunden pro Woche zu beschränken. Entsprechend einer Erklärung der Übergangsregierung wird die kurdische Sprache zwar als offizielle Sprache anerkannt, allgemeiner Schulunterricht soll allerdings nur in Arabischer Sprache stattfinden. Einige Studiengänge werden vermutlich wahlweise in kurdischer Sprache möglich bleiben.

Schüler:innen und Studierende sowie Anwohner:innen und Frauenorganisationen gaben Erklärungen ab und organisierten Proteste, in denen sie betonten, dass Kurdisch nicht nur ein Schulfach sei, sondern eine grundlegende Sprache der Bildung und des Wissens sowie ein wesentlicher Bestandteil der gesellschaftlichen Identität.

Schüler:innen und Universitäten warnten davor, dass eine Änderung der Unterrichtssprache nach jahrelangem Unterricht auf Kurdisch die schulischen Leistungen und die psychische Stabilität der Schüler:innen beeinträchtigen und gleichzeitig Kurdisch als Sprache der Wissenschaft und des Wissens schwächen könnte. Frauenorganisationen betonten zudem die Notwendigkeit, das Recht der Kinder auf Bildung in ihrer Muttersprache zu gewährleisten, und forderten, dieses Recht verfassungsrechtlich und gesetzlich zu schützen. Sie hoben hervor, dass der Aufbau eines demokratischen und pluralistischen Syriens auf Gleichberechtigung und Respekt für die verschiedenen Sprachen und Identitäten des Landes beruhen müsse.

In diesem Kontext setzten die Kinder in Kobani auch ihr neuntes Kinderfest, bei dem sie musikalische, theatralische und künstlerische Darbietungen auf Kurdisch präsentierten. Sie betonten, dass die Bewahrung ihrer Sprache und Kultur ein Grundrecht sei und dass die Verbindung der Kinder zu ihrer Muttersprache und Kultur für die Gestaltung ihrer Identität und Zukunft unerlässlich sei.

Anhaltende Bemühungen um die Rückkehr von Vertriebenen

Auch das Thema der Rückkehr von Vertriebenen stand diese Woche weiterhin im Mittelpunkt. In Aleppo fand ein breit angelegtes Treffen statt, um die Arbeit des Integrationsausschusses und die Pläne für die Rückkehr von Vertriebenen in ihre Städte und Dörfer zu erörtern. Bei dem Treffen wurden die sicherheitsrelevanten, administrativen und versorgungsbezogenen Vorkehrungen behandelt, die zur Erleichterung ihrer Rückkehr erforderlich sind, wobei die Bedeutung der Koordination zwischen den zuständigen Behörden zur Gewährleistung sicherer und stabiler Bedingungen hervorgehoben wurde.

In Bezug auf Sere Kaniye betonten vertriebene Frauen, dass die Rückkehr in ihre Häuser ein Grundrecht sei, auf das sie nicht verzichten würden. Sie hoben jedoch hervor, dass die Rückkehr unter sicheren und stabilen Bedingungen erfolgen müsse, einhergehend mit der Instandsetzung von Häusern, der Wiedereröffnung von Straßen und Schulen sowie der Bereitstellung der grundlegenden Lebensgrundlagen.

Geld und Öl-Politik und Auswirkung auf die Lebensbedingungen der Bevölkerung

Während die Autonome Selbstverwaltung bis zuletzt insbesondere die Produktion von Brot sowie die Stromversorgung der Bevölkerung durch reduzierte Preise und vorrangige Versorgung förderte hat die Übergangsregierung diese vorrangige Versorgung in der Region Heseke eingestellt. Grund dafür sind die Aufhebung spezieller Preise für den Dienstleistungsektor ebenso wie eine schlecht organisierte Währungsumstellung in der Region.

Als Folge davon wurden in den letzten Tagen Bäckereien ebenso wie Generatoren nicht mehr mit Diesel beliefert, in Qamishlo wurde ebenso die Versorgung mit Mehl eingestellt. Viele Haushalte blieben ohne Brot und Elektrizität.

Auch die Wasserversorgung sowie die Müllabfuhr sind von den steigenden Dieselpreisen und der fehlenden Versorgung betroffen, und können ihre Dienstleistungen nur noch eingeschränkt anbieten. Insbesondere in der Stadt Heseke, die immernoch abhängig ist von der Versorgung mit Wasser über Wassertankwagen hat dies weitreichende Auswirkung auf die Lebensbedingungen und Gesundheit der Bevölkerung.

Neben Protesten suchen Bevölkerung und Institutionen nach Lösungen für die anhaltende Krise. In Qamishlo fand dazu ein Treffen mit Vertretern aus Verwaltung, Dienstleistung, Gesellschaft und Wirtschaft statt, um gemeinsam an einen Plan zur Verbesserung der Versorgungs- und Wirtschaftslage in der Region zu arbeiten.

Damit senden wir euch revolutionären Grüße aus Rojava.

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